Auf virtueller Entdeckungstour im Deutschen Museum

Nach Monaten intensiver baulicher und virtueller Arbeiten eröffnet am 01.08.2018 das VRlab des Deutschen Museums.

Als mein Kollege, Claus Henkensiefken, und ich, Andrea Geipel, im Januar Teil des Teams rund um das Teilprojekt „3D-Visualisierung: Perspektiven in der digitalen Vermittlung“ unter der Leitung von Georg Hohmann wurden, konnten wir uns noch nicht vorstellen, wie das fertige Labor und die darin präsentierten virtuellen Welten aussehen könnten. Jetzt finden die Besucherinnen und Besucher gleich hinter der Physik-Ausstellung einen modern beleuchteten Eingangsbereich mit einer Informationstheke sowie eine große Fläche mit mehreren Möglichkeiten zum Abtauchen in virtuelle Welten.

Herzstück des VRlabs ist der Fahrsimulator

Auf zwei 4x4m großen VR-Flächen können sich Besucherinnen und Besucher mit Hilfe von zwei Controllern innerhalb der virtuellen Welt über weite Entfernungen ‚beamen‘, ein Informationsmenü bedienen oder mit Objekten interagieren. Auf den zwei VR-Flächen können u.a. die Sulzer Dampfmaschine, der Benz-Motorwagen und das Lunar Roving Vehicle im Detail betrachtet werden. Neben der Möglichkeit die Maschinen während des Betriebs ganz aus der Nähe zu erkunden, können etwa auch ein interaktiver Dampfkreislauf oder Informationen zur Mechanik eingeblendet werden.

Demoversion einer VR-Sequenz der Sulzer Dampfmaschine

Demoversion einer VR-Sequenz der Sulzer Dampfmaschine © VR-Dynamix

VRlab mit Fahrsimulator in der Mitte und VR-Flächen rechts und links

VRlab mit Fahrsimulator in der Mitte und VR-Flächen rechts und links © Deutsches Museum

Herzstück des VRlabs ist der Fahrsimulator. Einmal Platz genommen, wird man durch die VR-Brille virtuell als Fahrer des Mondfahrzeuges der Apollo 17 auf den Mond transportiert. Sämtliche Fahrbewegungen werden nun in Echtzeit auf den Simulator übertragen und sind dadurch nicht nur virtuell, sondern ganz real erfahrbar. Um auch Zuschauerinnen und Zuschauern einen Einblick in die virtuelle Welt zu geben werden die Szenen über Bildschirme angezeigt.

Neben den eigentlichen VR-Flächen wurde im vorderen Bereich ein Regieraum eingerichtet, der es erlaubt, mit den BesucherInnen in Kontakt zu kommen. Hier wird auch eine Workstation zur Verfügung stehen, mit der man über zwei große Bildschirme die Erstellung digitaler Inhalte vom 3D-Scan bzw. von der Konstruktion bis zur virtuellen Welt veranschaulichen kann. Er dient auch dazu, die VR-Flächen mit neuen Inhalten zu bespielen. Daneben ist eine Multifunktionsfläche eingerichtet, auf der derzeit in einer Vitrine VR-Brillen zur Illustration der Technologieentwicklung ausgestellt werden. In einer der nächsten Ausbaustufen des VRlabs ist hier die Möglichkeit gegeben, auch aktuelle 3D-Scan-Techniken zu zeigen und anzuwenden.

Das VRlab als Testraum

Im VRlab wollen wir in den kommenden eineinhalb Jahren herausfinden, wie sich virtuelle Objekte sowohl räumlich als auch didaktisch in Museumsräume einbinden lassen. Mit zwei VR-Flächen und einem Fahrsimulator vergleichen wir zwei unterschiedliche Formen der Nutzung von VR. Im Fahrsimulator können BesucherInnen auch das Gefühl in einem Fahrzeug zu sitzen real wahrnehmen (hier mit der Oculus Rift). Auf den VR-Flächen können sich die BesucherInnen frei bewegen, müssen entsprechend mehr Vertrauen in Technik und Betreuungspersonal haben. Gleichzeitig ermöglichen die beiden Controller den Einsatz interaktiver Elemente.

Blick auf den Fahrsimulator im VRlab des Deutschen Museums

Mit dem Fahrsimulator kann man über die virtuelle Mondoberfläche fahren. © Deutsches Museum

Museumsbesucher mit VR-Equipment auf einer der Testflächen des VRlabs

Auf den VR-Flächen kann man mit virtuellen Museumsobjekten interagieren. © Deutsches Museum

Um auf die ständigen technischen Weiterentwicklungen reagieren zu können haben wir uns für den Einbau eines Traversensystem entschieden. Hierüber können Tracking-Systeme zur kabellosen Nutzung der VR-Brillen schnell und einfach ausgetauscht werden. Aktuell verwenden wir auf den Flächen HTC-Vive Brillen zusammen mit TPcast. Zudem ist das gesamte VRlab so auch schnell modular ab- und andernorts wieder aufbaubar, was v.a. im Rahmen der Umbaumaßnahmen im Deutschen Museum von besonderer Bedeutung ist.

Aufbau Traversensystem II

Aufbau Traversensystem II © Deutsches Museum

Eingangsbereich des VRlabs

Eingangsbereich des VRlabs © Deutsches Museum

Neben den VR-Flächen war uns auch die Einrichtung eines Laborplatzes im Eingangsbereich des VRlabs wichtig. Als Technikmuseum möchten wir nicht nur Objekte virtuell erlebbar machen, sondern auch die Technik hinter dem Medium Virtual Reality erklären. Hierfür können am vollausgestatteten Laborplatz Verarbeitungsschritte in der Arbeit mit VR an zwei 85 Zoll Bildschirmen präsentiert werden. Zudem planen wir regelmäßig Firmen, aber auch Forschungsprojekte, einzuladen, um zu demonstrieren in welchen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Feldern (z.B. Autoindustrie, Medizintechnik) Virtual Reality bereits Anwendung findet. Auch die Vitrine neben dem Laborplatz bietet einen Einblick in technische sowie historische Aspekte der Virtual Reality. Ausgestellt werden Stereoskope sowie erste Modelle von VR-Brillen (wie z.B. der Oculus Rift DK1). Über ein Tablet neben der Vitrine können sich BesucherInnen über die Geschichte der Virtual Reality informieren.

Das VRlab soll auch über die Projektlaufzeit hinweg den experimentellen Charakter behalten. Gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern sowie in engem Austausch mit der Bildungsabteilung wird das Deutsche Museum Betriebskonzepte und Vermittlungsstrategien sowie die VR-Sequenzen selbst stetig weiterentwickeln und evaluieren.

Beitrag von: Andrea Geipel

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