Das Leben unter unseren Füßen: Erste VR-Anwendung in der Testphase

Pünktlich zum Start der Weltklimakonferenz im November 2017 in Bonn haben wir unseren ersten Prototyp zur Lebenswelt Boden veröffentlicht.

Die Besucher tauchen in die Welt des Bodens ein und begegnen Bodentieren wie Springschwänzen, Hornmilben, Weißwürmern und sogar einem riesigen Hundertfüßer hautnah. Nach einer kurzen Einweisung beim Aufsetzen der Virtual-Reality-Brille geht es sofort los. Die wirkliche Umgebung wird ausgeblendet und man findet sich im Tunnelsystem eines Regenwurms wieder. Erdige Wände wo man auch hinschaut und immer wieder laufen einem die nun überlebensgroßen Bodenbewohner über den Weg. Ein Controller dient als Taschenlampe und per Knopfdruck bewegt man sich damit durch die Gänge.

Warum gerade Bodentiere?

Die Erforschung der Vielfalt der im Boden lebenden Organismen ist seit Jahrzehnten ein Forschungsschwerpunkt der Wissenschaftler am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. Die digitale Technik ermöglicht erstmals, diesen Lebensraum den Besuchern auf eine ganz neue, emotionale Art näher zu bringen. Denn: Der Boden ist, wie Wasser und Luft, eine unverzichtbare Lebensressource – und er lebt! Dass auf einem Quadratmeter Boden mehr Organismen leben als Menschen auf der Welt, ist den Wenigsten bekannt.

Auf einem Bildschirm können Besucher beobachten, was die Trägerin der Bildschirmbrille gerade erlebt.

Auf einem Bildschirm können Besucher beobachten, was die Trägerin der Bildschirmbrille gerade erlebt. © Nikola Xylander

Teststationen in Görlitz, Bonn und Frankfurt a.M.

Die VR-Anwendung haben wir erstmals in Bonn im Zuge der Wanderausstellung „Die dünne Haut der Erde“ des Senckenberg Museums Görlitz präsentiert. Die Animation befindet sich in der Testphase. Besucher wurden befragt, Personal eingewiesen und die Animation immer wieder durch die Softwarefirma optimiert. Zukünftig sollen weitere Themenräume hinzukommen, in denen man mit den Bewohnern der Laubstreu und den im Wasserfilm lebenden Organismen auf Tuchfühlung kommen kann.

Ausschnitt aus der virtuellen Tour durch den Porenraum © .hapto

Einblick in die VR-Anwendung © .hapto

Nach ersten Stationen in Bonn und Dessau war die virtuelle Tour durch den Boden in den sächsischen Winterferien auch in Görlitz zu sehen. Von Anfang April bis Anfang Mai brachten wir sie anschließend für weitere Testdurchläufe ins Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt a.M.

Dabei wollten wir zunächst einmal wissen, wie die Anwendung bei den BesucherInnen ankommt, wie die Zusammenarbeit zwischen BetreuerInnen und Museumservice im Museumsbetrieb funktionieren kann und welche technischen Herausforderungen VR mit sich bringt. Das Feedback der BesucherInnen und der BetreuerInnen wurde sofort aufgegriffen und es fand eine permanente Optimierung der Anwendung statt. Zusätzlich wollten wir Reaktionen auf die Art und Weise der Präsentation (in der Gruppe oder einzeln im Raum) ergründen und testeten dies auch in Görlitz. Nächste Stationen der Anwendung zum Lebensraum Boden sind Osnabrück und Dresden. Ein drittes Testing soll ermitteln, welches Maß der Wissensvermittlung durch die VR erzielt wurde.

Welche Techniken wir zum Testen genutzt haben und welche Erkenntnisse wir aus den Tests ableiten konnten, berichten wir in einem unserer nächsten Posts.

Beitrag von: Luise Träger

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