Orientierung in der Vielfalt

Mit der App MeinObjekt erproben wir Ansätze für einen personalisierten Museumsbesuch. Hier stellen wir das Konzept und einige der Herausforderungen vor.

Wie kann man digitale Vermittlungsformate nutzen, um BesucherInnen auf der Basis ihres individuellen Interessensprofils einen personalisierten Museumsbesuch anzubieten? Wie kann dies geschehen, ohne eine museale Filter-Bubble zu konstruieren, die die Wissenserweiterung hindert, statt zu fördern?

Whiteboard

© SPK

Thomas Lilge vom gamelab.berlin des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin arbeiten im Rahmen des Projekts „Mein Objekt“ daran  genau diese Fragen für den musealen Kontext zu analysieren und mittels eines Prototypen eine praktische Umsetzung zu erproben.

Im Humboldt Forum werden den BesucherInnen ca. 20.000 Objekte präsentiert. Angedacht ist es im Rahmen von „Mein Objekt“ (mindestens) zwei Wege zu erproben, wie die von Museum so oft beschworene Orientierung in der Vielfalt digital gestützt funktionieren kann.

Zum einen ist geplant den BesucherInnen zu Beginn eine begrenzte Auswahl von digitalen Objektrepräsentationen zu präsentieren und sie um eine Bewertung (like/dislike) zu bitten. Auf Basis der erhobenen Daten wird den BesucherInnen ein auf seine/ihre Interessen abgestimmtes Highlight vorgeschlagen. Im weiteren Verlauf des Besuchs im Humboldt Forum bleibt dieses Objekt der Fixstern, von dem aus die Erkundung weitere Objekte möglich ist.

Objekte aus den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst

Wie lässt sich die Vielfalt der Objekte im Humboldt Forum digital vermitteln ohne zu überfordern? © Staatliche Museen zu Berlin / Museum für Asiatische Kunst (li) und © Staatliche Museen zu Berlin / Martin Franken (re)

Wie die Fäden, ausgehend von diesem „Startpunkt“ zu anderen Objekten, Themen und Bereichen gesponnen werden, ist eine der Herausforderungen in der Entwicklung des Projekts. Ist es thematische Verwandtschaft, räumliche Nähe, optische Ähnlichkeit oder eine Empfehlung anderer BesucherInnen, die den weiteren Weg durch das Humboldt Forum strukturiert? Wie können BesucherInnen eigene Verbindungen zwischen Objekten ziehen und diese in den Besuch einfließen lassen? Dies alles gilt es in den kommenden Wochen und Monaten zu erproben.

Zum anderen wollen wir uns mit der Nutzung von Social Media-Daten im musealen Raum befassen. Social Media-Portale wie Facebook sammeln Daten, die ein sehr genaues Interessen-Profil einer Person erzeugen. Kann man, darf man, soll man den BesucherInnen die Möglichkeit geben, diese Daten als Basis für einen individualisierten Museumsbesuch zu nutzen? Wie können Institutionen wie Museen datenschutzkonform arbeiten und BesucherInnen das Einflechten des Besuchs in die Sozialen Medien ermöglichen? Wie eine Kommunikation über den Besuch mit Social Media-Kanälen Verknüpfen?

Digitalisierung bietet die Möglichkeit zur Personalisierung und Individualisierung von Angeboten – wie das im musealen Raum funktionieren kann, werden wir in den kommenden Monaten versuchen herauszufinden.

Beitrag von: Anne Overbeck

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Teilprojekt „Der Humboldt’sche Kosmos im digitalen Raum“