Virtual Reality: Neue Möglichkeiten der Wissensvermittlung?

Experten aus Soziologie, Psychologie und Ethik diskutierten Chancen und Grenzen der neuen Technologie.

In der Reihe „museum4punkt0 | impulse“ und unter dem Titel „Augmented und Virtual Reality – neue digitale Strategien im Museum“ haben wir mit Wissenschaftlern aus den Bereichen Soziologie, Psychologie und Ethik im März im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven diskutiert. Ziel war es, neue Impulse zu bekommen, wie Themen virtuell dargestellt werden können – und wie nicht.

v.l.n.r. Manuel Krane (museum4punkt0), Dr. Thilo Hagendorff, Jonathan Harth, Cade McCall, Matthias Heidsiek (Übersetzer für Cade McCall). © Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven / Teresa Grunwald

v.l.n.r. Manuel Krane (museum4punkt0), Dr. Thilo Hagendorff, Jonathan Harth, Cade McCall, Matthias Heidsiek (Übersetzer für Cade McCall). © Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven / Teresa Grunwald

Chancen und Risiken

Dr. Jonathan Harth vom Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Witten/Herdecke ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Körper und Selbst in virtuellen Welten ein. Durch den Gebrauch von Virtual Reality werde das Selbst anders verortet, da sich das gewohnte Koordinatensystem von Wirklichkeit in der virtuellen Welt verändere.

Cade McCall, PhD, vom Department of Psychology an der University of York, betonte die veränderte Wahrnehmung des Gehirns in virtuellen Welten. Anders als etwa bei herkömmlichen Filmen würden virtuelle Welten nicht passiv wahrgenommen, sondern vermittelt über entsprechende Brillen als Realität angesehen.

Das hat Konsequenzen auch für ethische Fragen, auf die Dr. Thilo Hagendorff vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen einging: VR-Brillen könnten als „Empathie-Maschinen“ eingesetzt werden, weshalb ein verantwortungsvoller Umgang damit unbedingt zu beachten sei.

Vorurteile reduzieren

In der Abschlussdiskussion wurden aber auch positive Aspekte dieser Form von Empathie-Vermittlung thematisiert. So hätten bei Studien etwa mit dem Einsatz von VR-Brillen Vorurteile reduziert werden können. Auf die Frage, wie angesichts der neuen Möglichkeiten das Museum der Zukunft aussehen könne, antworteten die Referenten am Ende allerdings erstaunlich konservativ: Wahrscheinlich nicht so viel anders als heute, war die einhellige Meinung. VR und AR könnten aber möglicherweise zum Mittler zwischen Besuchern und Objekten werden. Die Ergebnisse des Workshops werden wir für unsere weitere Arbeit im Projekt nutzen, insbesondere für unser im Juli startendes Ausstellungsexperiment. Auch hier wird die Frage wichtig sein, welche Formen der Darstellung in VR ethisch vertretbar sind.

Beitrag von: Manuel Krane

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