16. Jun 2018

museum4punkt0 auf der MAI-Tagung 2018

„Museums and the Internet“ – Diese mittelweile untrennbar gewordene Verbindung lockte auch uns zur 18. MAI-Tagung ins Museum Barberini nach Potsdam.

Das Verbundprojekt und die Fragestellungen der Teilprojekte

museum4punkt0 nutzte die MAI-Tagung 2018, um das Verbundprojekt erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen: Im Rahmen des Panels „Besucherforschung digital“ führte Dr. Silke Krohn, Steuerung digitale Vermittlung und Besucherforschung von museum4punkt0, zunächst in Struktur und Ziele des Verbundprojektes ein, bevor KollegInnen einiger Teilprojekte ihre Arbeit an Fallbeispielen präsentierten.

So beschrieb Timo Schumacher, im Teilprojekt der Staatlichen Museen zu Berlin für die Vermittlung zuständig, wie er und seine KollegInnen durch kontinuierliche User-Testings beobachtende sowie quantitative Erhebungen durchführen. Auf dieser Grundlage entstehen neue Konzepte zur Verbesserung des Besuchserlebnisses. Eine iterative Arbeitsweise im Sinne des „human-centered design“, so betonte er mit Nachdruck, sei eine grundlegende Voraussetzung dafür, den BesucherInnen ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Besuchserlebnis bieten zu können. Diesen Ansatzpunkt nahm Katie Heidsiek, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Besucherforschung im Teilprojekt „Migrationsgeschichte digital erleben“ am Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven , auf. Katie Heidsieks Forschungsschwerpunkt ist derzeit die Frage, ob es „digitale Empathie“ gibt. Ihr Weg zu einer Antwort führt über intensive Besucherbefragungen, wobei ein- und dieselbe Person vor und nach dem Ausstellungbesuch interviewt wird. Aktuell, so berichtete sie, werde am Auswandererhaus ein Ausstellungsexperiment vorbereitet, in der identischer Inhalt einmal anhand von Originalobjekten und einmal komplett durch Virtual Reality vermittelt werden soll. Diese Experimentalanordnung werde nicht nur durch direkten Vergleich der Eindrücke einer „digitalen Empathie“ weiter auf die Spur kommen. Vielmehr solle es auch darum gehen, zu ermitteln, welche Technologien zur Vermittlung welcher Inhalte im täglichen Museumsbetrieb geeignet sind. Dies ist eine Fragestellung, der auch das Deutsche Museum München in einem eigens eingerichtetem VR-Lab nachgehen wird, wie der Leiter des dort verorteten Teilprojets, Georg Hohmann, am Abend erläuterte.

Erfahrungsaustausch statt Silodenken

Die Resonanz auf unsere Vorträge machte deutlich, dass ein enormer Diskussionsbedarf zu den Themen der musealen Vermittlung mithilfe digitaler Technologien besteht. Darüber hinaus zeigte sich jedoch auch das große Interesse an einem aktiven Austausch und der Bildung von Synergien zwischen den Museen.

Viele der weiteren sehr interessanten Vorträge zu bereits realisierten digitalen Anwendungen (die Folien aller Vortragenden sind auf der Seite der MAI-Tagung einzusehen) betonten, wie wichtig das Machen und Teilen von Erfahrungen auf dem weiten Feld der Digitalisierung in Museen ist. Besonders hervorzuheben ist, dass die Vortragenden auf der diesjährigen MAI-Tagung besonders offen über die verschiedenen Erfahrungen sprachen und anderen Institutionen somit wertvolle Hinweise gaben.

Im Kontext unseres eigenen Verbundprojektes von großer Relevanz war der Vortrag von Dominka Szope vom ZKM Karlsruhe über das EU-Verbund-Projekt „smARTplaces“. Das Projekt möchte neue Wege für die Kunst- und Kulturvermittlung einschlagen, um Kultureinrichtungen in intelligent ausgestattete Erlebnisorte zu verwandeln. Das Hauptziel dabei ist die Erschließung neuer Zielgruppen über innovative digitale Angebote. Nicht zuletzt soll es aber in diesem Projekt auch darum gehen, heterogene Institutionen untereinander zu vernetzen und ein effektives Changemanagement innerhalb der Kulturinstitutionen zu initiieren. Es gibt viele Parallelen zu unserem Projekt,so wird auch die Entwicklung von digitalen Anwendungen zur Vermittlung und Kommunikation langfristig auch nicht ohne einen Changeprozess möglich sein.

Infrastruktur als Herausforderung

Insgesamt ließ sich feststellen, dass die Herausforderungen, von denen viele der Vortragenden berichteten, sehr ähnlich sind: Geringe personelle und finanzielle Ressourcen und aus diesen Gründen auch oft fehlende digitale Strategien und passende Infrastrukturen. Einige Vorträge von DienstleisterInnen und WissenschaftlerInnen offenbarten auch, dass diese die Infrastrukturen der Institutionen mitunter überschätzen. So werden bereits Lösungen für die Kür angeboten, während die Museen selbst angesichts ihrer begrenzten Ressourcen noch ausloten, was ihre Pflicht in der Vielfalt der digitalen Möglichkeiten sein könnte.

Fazit

Wir nehmen von der diesjährigen MAI-Tagung mit, dass es den Museen in Deutschland nicht an vielen innovativen Ideen mangelt. Zugleich zeigten die Beiträge der Tagung aber auch, dass es demgegenüber noch immer an konkreten Möglichkeiten der Zusammenarbeit fehlt, durch die man Ressourcen sinnvoll bündeln kann. Dazu möchten wir mit museum4punkt0 gerne beitragen, indem wir im Laufe des Projektes unsere Erkenntnisse in Form von Leitfäden, Checklisten, etc. zur Verfügung stellen.

Beitrag von: Silke Krohn

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