Untersuchung Virtual Reality

Evaluation des VRlab und seiner Sequenzen

Seit August 2018 können BesucherInnen des Deutschen Museum im VRlab mit vier Exponaten virtuell interagieren und diese in ihrem historischen Kontext kennenlernen. Ein besonderes Erlebnis ist das realitätsnahe Befahren des Mondes mittels Fahrsimulator. Zur Evaluation des Nutzungsverhaltens wurden neun Interviews geführt und 400 Fragebögen zu Vorerfahrung, Umgebung und Interesse beantwortet. Die Publikation der Ergebnisse soll anderen Museen den Einstieg in das Vermittlungsmedium VR erleichtern.

Informationen zur Nachnutzung
VR Lab Apollo 17

VR Lab Apollo 17, Abbildung: Deutsches Museum, CC BY 4.0

Die Evaluation der digitalen Anwendung ist entscheidend, um den BesucherInnen ein informatives und intuitives Erlebnis ermöglichen zu können. Daher wurden parallel zum Betrieb des VRlab die Erfahrungen und Wünsche der NutzerInnen abgefragt und dokumentiert. Als Vorlage für die breitgefächerte Umfrage mittels Fragebögen dienen Beobachtungsdaten, die in Tagebüchern vom Betreuungspersonal erhoben wurden sowie neun vertiefende Interviews, die einen ersten Überblick über mögliche Problemstellungen geben. Die darauf aufbauenden Fragebögen auf Deutsch und Englisch beziehen sich sowohl auf die Inhalte der VR-Sequenzen als auch auf die Technik und die Interaktion mit dem Personal. Besonders interessant für uns waren die Vorerfahrungen mit der Technologie sowie das Interesse an den realen Museumsobjekten. Das Deutsche Museum bietet durch seine Vielzahl an BesucherInnen verschiedenster Kulturen und Altersstufen eine ideale Forschungsumgebung, von der andere Museen bei eigenen VR-Ausstellungen profitieren können.

Ziel der Untersuchung

Das Vermittlungsziel der VR-Sequenzen ist nicht der Ersatz bestehender Exponate, sondern das Ergänzen dieser durch mögliche Interaktion und Kontextualisierung. Der immersive Effekt von Virtual Reality hilft dabei, Ausstellungsstücke greifbarer zu machen. Die Sequenzen bieten den BesucherInnen die Möglichkeit, ein Gefühl für die Relevanz bestimmter Exponate zu entwickeln und sich leichter mit neuen Wissensgebieten auseinanderzusetzen. Mithilfe der Interviews und Fragebögen werden diese Erkenntnisse wissenschaftlich erfasst und für andere Museen aufbereitet, um diesen als Leitfaden bei eigenen VR-Projekten zu dienen.

Erste Ergebnisse

Bei den Sequenzen, die das VRlab anbietet, steht die Vermittlung der Exponate im Vordergrund. Daher ist es besonders wichtig, dass die NutzerInnen die dreidimensionalen Inhalte, aber auch Medien wie Texte und Audios intuitiv aufnehmen können. Diese Bedürfnisse werden teils durch technische Schranken, wie eine unscharfe Auflösung des Brillenmodels, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit durch störende Kabel oder die Grenzen des vorgegebenen physischen und virtuellen Raums beeinflusst. Die Unterschiede der Vorerfahrungen und des allgemeinen technischen Geschicks führen dazu, dass es vielen NutzerInnen nicht möglich ist, sämtliche Sequenzen in den 15-minütigen Zeitfenstern zu erleben. Zudem variieren Inhaltsmenge und Interaktionsmöglichkeiten der jeweiligen Sequenzen, wodurch die Begeisterung der NutzerInnen stark von Objekt zu Objekt abweicht. Oft haben die BesucherInnen den allgemeinen Wunsch nach mehr Interaktionsmöglichkeiten mit dem Exponat, aber auch mit anderen BesucherInnen des VRlab.

Durch die neun Interviews konnten erste Erkenntnisse über mögliche Problemstellungen erlangt und mithilfe der Fragebögen umfangreich abgefragt werden. Die Interviews behandeln die Themenbereiche Nutzung, Inhalt, Erlebnis, Kritik und Bezahlung. Sämtliche Antworten wurden nach Abschluss der Befragungen digital übertragen und anschließend systematisch analysiert. Das Feedback der Interviews war größtenteils positiv, allerdings wurde Verbesserungspotential in Bezug auf Unschärfe und Interaktionsgrad der Sequenzen gesehen.

Unter Berücksichtigung der Antworten entstand ein Fragebogen auf Englisch und Deutsch, der in zehn Teilbereiche aufgegliedert war. Diese umfassten Aspekte wie Vorerfahrung, Technik, Interesse bezüglich der Exponate, Bezahlung oder Angaben zu Alter, Geschlecht und Bildungsgrad der TeilnehmerInnen.

Nach ersten Analysen kann bereits gesagt werden, dass ungefähr 41 Prozent der NutzerInnen keine Vorerfahrung mit 3D-Technologien wie Virtual oder Augmented Reality hatten. Die Rückmeldungen der BesucherInnen fielen dabei hauptsächlich positiv aus und besonders Sequenzen wie die Apollo 17 Mission erfreuten sich großer Beliebtheit. Auch das Interesse, sich die realen Ausstellungsstücke nach dem VR-Erlebnis im Museum anzusehen und mehr über die VR-Technik an sich zu erfahren, wurde von den meisten BesucherInnen als hoch bis sehr hoch angegeben.

Studie im Überblick

Untersuchungszeitraum
August 2018 bis Februar 2020
Ansatz
Mixed-Methods-Ansatz
Umfang
Beobachtungstagebücher, 9 Interviews, 400 Fragebögen
Zielgruppe
Zielgruppe der VR-Sequenzen sind MuseumsbesucherInnen ab zehn Jahre
Ort der Untersuchung
VRlab des Deutschen Museum

Zusätzliche Auswertungen der Fragebögen werden weitere Zusammenhänge und Verbesserungsvorschläge aufzeigen, die sich durch den großen Umfang der Studie und die Diversität von BesucherInnen auf eine Vielzahl von Museumskonzepten übertragen lassen. Die Auswertung sowie andere Erkenntnisse während des VRlab-Betriebs trägt das Deutsche Museum in einem Handbuch für andere Museen zusammen. Die Evaluation legt somit einen weiteren Grundstein für die Forschung im Bereich Virtual Reality als Vermittlungsmedium in Museen.

Nachnutzung

Veröffentlichungen der Projektergebnisse

Die Erfahrungen aus der Projektarbeit werden aufbereitet und mit den Ergebnissen der Untersuchung im Laufe des Jahres 2020 veröffentlicht sowie zum Download bereitgestellt.

Ansprechperson

Andrea Geipel, Deutsches Museum
+49(0)89 217 954 4
a.geipel@deutsches-museum.de

 

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