Untersuchung

Multiperspektivität durch Digital Storytelling und immersive Interviews

Ob Südseeboot, Federmantel oder Phonograph – über 20.000 Exponate können künftig im Humboldt Forum im Berliner Schloss betrachtet und erforscht werden. Als neuer Ort des Lernens, Entdeckens und der Begegnung lebt das Humboldt Forum von der Vielseitigkeit seiner Akteure, Sammlungen, Fragestellungen und Themen. Im Zuge von museum4punkt0 soll diese Vielfalt digital unterstützt werden. Durch Storytelling-Workshops und immersive Interviewtechniken werden Stakeholder, wie z.B. die Herkunftsgesellschaften von Exponaten, aber auch das Museumspublikum ermutigt, eigene Stories zu den Ausstellungsthemen und Sammlungsobjekten zu entwickeln und miteinander in Dialog zu treten. Ein Erfahrungsbericht dokumentiert Methoden für multiperspektivisches Video-Storytelling und evaluiert Wege zur Verknüpfung der Videoinhalte mit Ausstellungsinszenierung und Online-Sammlung.

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Entstanden im Teilprojekt
"Der humboldt’sche Kosmos im digitalen Raum"
Bearbeitungsstand

in Arbeit

Storytelling Workshop mit Mädchen

Ein Mädchen filmt mit Handy und Gimbal ein Objekt. Foto: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / Julia Jacob, CC BY 4.0

Das museum4punkt0-Teilprojekt „Der Humboldt’sche Kosmos im digitalen Raum“ rückt die verschiedenen Blickwinkel in den Fokus, aus denen heraus ein Objekt betrachtet und interpretiert werden kann. Hierzu entsteht ein prototypisches Konzept für die multiperspektivische Aufarbeitung von Sammlungsobjekten und Exponaten via Video. Der Bericht evaluiert die eingesetzte Methodik und das Instrumentarium von Video-Storytelling-Workshops, die im Projektzeitraum mit verschiedenen Stakeholdern durchgeführt werden:

  • Er stellt dar, wie Digital Storytelling und immersive Interviewtechniken für die Vermittlung von Ausstellungsinhalten und bei der Behandlung kontroverser Ausstellungsthemen eingesetzt werden können.
  • Dokumentiert werden Erfahrungen mit Video-Storytelling als Instrument zur Förderung des interkulturellen Dialogs.
  • Enthalten ist zudem ein How-To-Manual zu Planung, Ablauf und Durchführung von Video-Storytelling-Workshops.

Workshop-Konzept

Zielgruppen
Kinder & Jugendliche von 10-18 Jahren, Mitglieder von Herkunftsgesellschaften von Exponaten
Untersuchungszeitraum
2018 – 2019
Format
Kreativworkshops zu Storytelling und Videotechniken
Vermittlungsansatz
Partizipation & spielerische Interaktion; narrative Auseinandersetzung mit Objekten

2018 und 2019 wurden unterschiedliche Workshop-Formate durchgeführt und dokumentiert. Hierbei erlernten die Teilnehmenden – insgesamt 50 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren – unterschiedliche Techniken des Video-Storytellings. Gegenstand der Workshops war die kreative und individuelle Auseinandersetzung Objekte und Themen aus dem Humboldt Forum.

Eingesetzte Formate:

  • Videostory: SchülerInnen einer Berliner Grundschulklasse (ohne Migrationshintergrund) nahmen im Zuge einer Projektwoche an Videoworkshops teil. Thema war es, eine fiktive Videostory zu entwickeln.
  • Umgang mit Found Footage: An einem offenen Ferienkurs von 2 mal 8 Stunden nahmen Jugendliche Teil, die sich zuvor nicht kannten. Ziel war es, bereits existierendes Filmmaterial – also Found Footage – zu erarbeiten und einzupflegen.
  • Filmisches Entdecken und Interviewtechniken: Unterstufenkurs von 2 mal 8 Stunden mit einer Gruppe geflüchteter Jugendlicher. Im Fokus standen neben Filmtechniken auch eine Milieu- und Berufsbilderkundung.
  • Tricktechniken und Co.: In einem Oberstufenkurs (Kunst LK, SchülerInnen überwiegend mit Migrationshintergrund) ging es im Rahmen einer Projektwoche darum, Tricktechniken und filmische Mittel anzuwenden. Zudem wurden Testaufnahmen zu einem „Youtube-Tutorial“ über ein museales Objekt durchgeführt.
  • Videointerview: Gruppe der Tukano. Die TeilnehmerInnen fertigten eine Kult-Bank und interviewten sich hierzu gegenseitig.

Erste Ergebnisse im Überblick

  1. Teilnehmende erlangen tieferes Objektwissen durch diese spielerische Methode des Videostorytellings. Die eigenständige Filmerstellung unterstützt die persönliche Positionierung zum Objekt oder Thema und befördert die Interaktion von BesucherInnen untereinander.
  2. Personen aus Herkunftsgesellschaften von Exponaten empfanden die Arbeit vor und hinter der Kamera als Ermutigung und fühlten sich in Ihrer Identität ernst genommen.
  3. Die Teilnehmenden äußerten ein Bedarf an Sichtbarkeit ihrer Position im Museum.
  4. Insbesondere Kinder und Jugendlichen sind an das Webvideoformat gewöhnt und haben großen Spaß daran, selbst Inhalte zu entwickeln, zu moderieren und zu filmen.
  5. Die Deutungshoheit des Museums wurde hinterfragt.
  6. Die Generierung von user-generated-content sollte nicht nur als Werkzeug der Vermittlung verstanden werden. Stattdessen sollten die entstehenden Inhalte auch als neues Werk betrachtet werden.

Nachnutzung

Untersuchung herunterladen

Diese Untersuchung steht ab 2020 an dieser Stelle zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Ansprechpersonen bei Fragen

Conrad Mücke, Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
+49(0)30 265 950 530
E-Mail: conrad.muecke@humboldtforum.com