27. Jul 2018

Ein Verbund ist mehr als die Summe seiner Teilprojekte

Was ist eigentlich der Vorteil von institutionsübergreifender Zusammenarbeit und was können wir daraus für das Museum der Zukunft lernen?

Mit museum4punkt0 entwickeln wir modellhaft digitale Vermittlungs- und Kommunikationsangebote im musealen Kontext. Doch auch die Struktur, in der dies geschieht, hat Modellcharakter. Die Zusammenarbeit im Verbund bietet aus unserer Erfahrung zahlreiche Vorteile, die auch für andere Museen wertvoll in der Umsetzung eigener (Digital)Projekte sein kann.

Die museale Konvention ist in gewisser Hinsicht auf das Präsentieren von „fertigen“ Produkten fokussiert: eine durchdachte und kuratorisch inszenierte Ausstellung, ein gut gestalteter und mit Sorgfalt produzierter Katalog, ein über lange Zeit gereifter wissenschaftlicher Artikel oder ein mit Bedacht umgesetztes Vermittlungsprojekt. Dem gegenüber steht ein iterativer, agiler, experimenteller Ansatz in der Entwicklung eines digitalen Projektes oder Produktes. Hierzu ist es unabdingbar, bereits früh im Arbeitsprozess die angesprochenen NutzerInnen, KollegInnen oder weitere Stakeholder an den Ideen und den damit einhergehenden Herausforderungen teilhaben zu lassen, die eigenen Lösungsansätze immer wieder in Frage zu stellen und den Kurs zu ändern, sobald sich herausstellt, dass der Weg nicht zum gewünschten Erfolg führt.

Logos des Projekts

© Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Kompetenzen aufbauen – über Institutionsgrenzen hinweg

Mit museum4punkt0 erproben wir einen solchen iterativen und experimentellen Ansatz in der Entwicklung der digitalen Vermittlungs- und Kommunikationsangebote. In den Anfängen unserer Zusammenarbeit haben wir durchaus beobachtet, dass es gar nicht so einfach ist, von der gewohnten Praxis abzuweichen und andere Institutionen, externe KollegInnen und BesucherInnen an den rohen, unausgereiften, experimentellen Ideen und Lösungsansätzen teilhaben zu lassen. Es ist jedoch bereits jetzt als ein Erfolg von museum4punkt0 zu verzeichnen, dass die Teilprojekte den Wert der Vernetzung und des offenen Austauschs im Verbund schnell erkannt haben. Bei der Technologiewahl können sie von den Tests und Erfahrungen der KollegInnen profitieren, in der (digitalen) Besucherforschung auf erprobte Methoden aus den anderen Häusern zurückgreifen und aus den Lösungsansätzen der Teilprojekte eigene Strategien für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Projekte entwickeln. Das Bewusstsein, dass wir uns in einem rasant voranschreitenden Feld des Ausprobierens befinden und dass der Austausch über die entwickelten Lösungen – aber auch die Momente des Scheiterns und nötige Kursänderungen – für alle Beteiligte von ungeheurem Vorteil ist, hat sich bereits fest im Verbund etabliert.

Wer digitale Transformation ernst nimmt, muss also auch den Mut haben, veränderte Arbeitsstrukturen, neue Kollaborationsformen und sehr viel Neugier für Methoden und Blickwinkel anderer Disziplinen in die eigenen gewohnten Wege einzuflechten. Dass dies in den gewachsenen Strukturen von Kulturinstitutionen durchaus auch mit einigen Herausforderungen einhergeht, ist selbstverständlich.

Heterogenität als Basis für produktives Lernen

museum4punkt0 verstehen wir als Experimentallabor, das sich dem Ausprobieren von digitalen Vermittlungs- und Kommunikationsformaten verschrieben hat. Zugleich erproben wir mit dem Projekt in seiner Gesamtstruktur neue Formen der institutionsübergreifenden Zusammenarbeit. Dabei kommt der gegenseitigen Unterstützung und dem Austausch im Verbund eine besondere Bedeutung zu.

In regelmäßig stattfindenden Verbundtreffen beraten wir uns und diskutieren gemeinsam zu aktuellen Herausforderungen in den Teilprojekten. Daneben findet ein wesentlicher Bestandteil der Zusammenarbeit in thematisch fokussierten Arbeitsgruppen statt. Diese behandeln im Rahmen der Verbundtreffen übergreifende Themen – darunter Formate der digitalen Vermittlung und Besucherforschung, partizipative Wissensgenerierung, digitale Infrastruktur in Museen oder rechtliche Aspekte und Open Access. Ebenso erproben wir im Verbund die Zusammenarbeit in einem Projektmanagementtool, in dem die Arbeitsgruppen in Foren und Wikis kommunizieren können. Da viele der verhandelten Fragen auch von großer Relevanz für die Museumsöffentlichkeit sind, haben wir zusätzlich unter dem Titel museum4punkt0 | impulse ein öffentliches Format etabliert. Hierunter bündeln wir alle Veranstaltungen, die von den Teilprojekten und dem Steuerungsteam organisiert werden. Dazu zählen öffentliche Vorträge, Workshops, Interviews oder Podiumsdiskussionen, zu denen wir ExpertInnen einladen oder über die eigenen Projekte reflektieren und diskutieren.

Die an museum4punkt0 beteiligten Institutionen und Teilprojekte bilden ganz bewusst die Heterogenität der deutschen Museumslandschaft ab – sowohl in der Organisationsform und Größe der beteiligten Häuser, als auch in der thematischen Spannweite. Diese Vielfalt soll dazu beitragen, dass sich möglichst viele weitere Museen mit dem Verbund identifizieren können und die entwickelten Prototypen mit Blick auf das übergeordnete Ziel des Verbundes – einer breiten Nachnutzbarkeit – erfolgreich ist. Dass die daraus resultierenden verschiedenen Perspektiven sinnvoll gebündelt werden müssen, stellt wiederum besondere Anforderungen an die Koordination eines solchen Verbundprojektes. Diese Rolle obliegt bei museum4punkt0 der zentralen wissenschaftlichen Projektsteuerung, welche bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz angesiedelt ist und der ich angehöre. Neben der Koordination des Gesamtprojektes fördern wir insbesondere den Wissenstransfer zwischen den beteiligten Institutionen und übernehmen eine beratende und unterstützende Rolle bei der Durchführung der Teilprojekte.

Die Formate, mit denen wir den Austausch und die Zusammenarbeit über Institutionsgrenzen hinweg fördern, bilden den Fokus unserer Zusammenarbeit im Verbund. Sie sind für uns eine unabdingbare Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung digitaler Innovationsansätze im Museum. Wir sind davon überzeugt, dass die Einbeziehung von einer Vielzahl von Perspektiven und institutionellen Bedingungen in der Zusammenarbeit nicht nur die Ergebnisse in den Teilprojekten positiv beeinflusst, sondern die Grundlage von zukunftsgewandter Museumsarbeit darstellt – nicht nur in Bezug auf die Entwicklung digitaler Angebote. Mit Blick auf die positiven Effekte, welche wir bereits jetzt beobachten können, sehen wir auch Potential darin, die in museum4punkt0 modellhaft erprobten Formen der Zusammenarbeit auch auf breiterer Ebene im Museum anzuwenden. Dazu zählt das Teilen von Erfahrungswerten, das Bündeln von Know-how und das Schaffen von offenen Zugängen zu Wissen und Erkenntnissen. Offene Austauschformate können im Museum sehr viel bewirken – digitale Innovationen vorantreiben ist nur einer der Bereiche. Wir finden, es ist einen Versuch wert!

Beitrag von: Katrin Glinka

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