Digitalisierung transparent – ein interaktives Workshop-Konzept

„Das digitale Objekt“ oder wie man Digitalisierung im Museum über Abteilungsgrenzen hinweg integrativ und interaktiv kommunizieren kann.

Die Digitalisierung von kulturhistorischen Sammlungsobjekten ist seit einigen Jahren eine wichtige Aufgabe des Deutschen Museums in München. Im Zuge der Zukunftsinitiative wurde aus diesem Grund mit dem Deutschen Museum Digital eine Abteilung gegründet, die sich auf verschiedenen Ebenen mit der Digitalisierung auseinandersetzt und beschäftigt. Seit Januar 2018 sind wir, Andrea Geipel und Johannes Sauter, Teil des Teams Deutsches Museum Digital am Deutschen Museum in München. Während Johannes Sauter das Projekt KultSam bearbeitet, ist Andrea Geipel Projektkoordinatorin des Teilprojekts „3D-Visualisierung: Perspektiven in der musealen Vermittlung“ im Rahmen von museum4punkt0. Das Deutsche Museum Digital hat die Digitalisierung und wissenschaftliche Erschließung der Bestände der Objektsammlungen, des Archivs und der Bibliothek zum Ziel und unterstützt digitale Arbeitsprozesse am Deutschen Museum.

Abteilungsübergreifender Austausch statt Inseldasein

Gerade zur optimalen Unterstützung digitaler Arbeitsprozesse ist die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg besonders wichtig. Jedoch gestaltet sich diese Zusammenarbeit nicht immer leicht. Die Gründe hierfür sind vielfältig und wahrscheinlich hat jede Einrichtung hier unterschiedliche Erfahrungen vorzubringen. In einem so großen Haus, wie dem Deutschen Museum mit über 600 MitarbeiterInnen, ist daher zunächst ein entscheidender Faktor auf sich aufmerksam zu machen.

Um genau das zu erreichen entschlossen wir uns einen Workshop zu veranstalten, der als Pre-Conference Workshop vor dem Symposium „Das digitale Objekt“ stattfinden sollte. Als kleinsten gemeinsamen Nenner wählten wir das „digitale Objekt“, welches einerseits als Ergebnis des Digitalisierungsprozesses und andererseits als Summe aller Digitalisierungsmöglichkeiten angesehen werden kann. Während des Symposium präsentierten geladene Gäste verschiedene wissenschaftliche und praktische Sichtweisen auf das Thema der Digitalisierung. Dabei orientierten wir uns am Zyklus des „Digitalwerdens“ vom Depot, als beispielhafter Ort für das analoge Objekt hinter den Kulissen, über die Präsentation digitaler Objekte in der Ausstellung und im Internet sowie die Arbeit am und mit digitalen Objekten in der Forschung.

Ziele

Mit dem Symposium wollten wir das Thema der Digitalisierung im Museum ganz generell aufgreifen und aus verschiedenen Blickwinkeln vorstellen, um mit unterschiedlichen Einrichtungen in den Dialog zu kommen. Mit dem Workshop hatten wir das Ziel unser Team „Deutsches Museum Digital“  vorzustellen. Dass der direkte Austausch in der Interaktion nachhaltiges Verständnis schafft und transdisziplinäre Brücken bauen kann, konnten wir bereits im Rahmen von exklusiven MitarbeiterInnen-Terminen im 2018 eröffneten VRlab erfahren.  Die Interaktion, das eigene Tun und Anfassen sollte daher auch hier wieder im Mittelpunkt stehen.

Wir wollten möglichst vielen MitarbeiterInnen am Deutschen Museum praktische Einblicke in unsere tägliche Arbeit geben, welche Fragestellungen wir haben und welche Herausforderungen und Chancen die Digitalisierung musealer Objekte mit sich bringt.

Konzept und Inhalte

Konzeptuell orientierten wir uns am „World Cafe“, einer Workshop-Methode, bei der die TeilnehmerInnen in Kleingruppen unterschiedliche Fragestellungen in einem festgelegten Rotationsprinzip bearbeiten. In unserem Workshop zum digitalen Objekt organisierten wir vier Tische entsprechend der vier Stationen „Im Depot“, „In der Ausstellung“, „Im Internet“ und „In der Forschung“.

Übersicht über die Workshop-Stationen (DMD = Deutsches Museum Digital) Quelle: Deutsches Museum

Übersicht über die Workshop-Stationen (DMD = Deutsches Museum Digital) Quelle: Deutsches Museum

Die Teilnehmerzahl begrenzten wir auf 40 (10 Personen pro Tisch) und reservierten hiervon 10 Plätze für externe Gäste. Pro Tisch planten wir 40 min Bearbeitungszeit ein, der gesamte Workshop (inklusive Einführung, Pausen & Reflexion) war damit für 4 Stunden angelegt.

Inhaltlich orientierten wir uns an den Aufgaben im Team Deutsches Museum Digital. Zusätzlich gingen wir in den Austausch mit anderen Abteilungen im Haus, die digitale Arbeitsprozesse bearbeiteten und luden auch sie ein sich an der Durchführung des Workshops zu beteiligen. Unser Workshop-Team umfasste letztlich 15 Personen aus drei verschiedenen Abteilungen. Um jedem Projekt ausreichend Raum zu bieten, entschieden wir uns dafür diese an kleinen Stationen, an den jeweiligen Tischen zu präsentieren.

Für jeden Tisch wurde ein/e ZeitnehmerIn bestimmt, um die Rotation zwischen den Arbeitsstationen zu koordinieren (Rotation nach 10min, 13min bzw. 20min). Eine Person war für die Gesamtkoordination zuständig und kündigte den Wechsel von Tisch zu Tisch nach 40min an. Am Beginn des Workshops stand eine kurze Einführung in die Thematik und den Ablauf. Zusätzlich waren kurze Kaffeepausen während des Workshops eingeplant.

Am Tisch „In der Ausstellung“ konnten die TeilnehmerInnen Erfahrungen mit VR & AR diskutieren und sich an der Konzeption der Museums-App beteiligen. (Quelle: Deutsches Museum)

Am Tisch „In der Ausstellung“ konnten die TeilnehmerInnen Erfahrungen mit VR & AR diskutieren und sich an der Konzeption der Museums-App beteiligen. Quelle: Deutsches Museum

Am Tisch „In der Forschung

Am Tisch „In der Forschung" wurden unterschiedliche digitale Forschungstools vorgestellt und diskutiert. Quelle: Deutsches Museum

Um Pre-Conference Workshop und Symposium optimal zu verbinden, fanden sich auch dort wieder die Themenblöcke „Depot“, „Ausstellung“, „Internet“ und „Forschung“. Mit einem kurzen Rückblick auf die jeweils an den Tischen diskutierten Fragen wurden die Panels thematisch eingeleitet, um eine direkte Verbindung zwischen der Praxis und der Theorie herzustellen.

Aufmerksamkeit erzeugen

Um möglichst viele MitarbeiterInnen aus dem eigenen Haus zu erreichen, haben wir schon frühzeitig in einer Rundmail auf den Workshop und das Symposium hingewiesen. In einem großformatigen Beitrag in der hauseigenen Zeitschrift wurde der Workshop ausführlich vorgestellt und darauf hingewiesen, dass sich dieser vor allem an die Kolleginnen und Kollegen richtet. Zudem haben wir Flyer in den Postfächern sowie an prominenten Stellen im Haus verteilt. Wichtig war uns in der Ansprache darauf hinzuweisen, dass MitarbeiterInnen aller Abteilungen eingeladen sind an dem Workshop teilzunehmen. Zudem haben wir VertreterInnen der Abteilungen, mit denen wir bereits besonders eng zusammenarbeiten (z.B. KuratorInnen) persönlich angesprochen.

Tatsächlich mussten wir aufgrund der großen Nachfrage (intern sowie extern) kurzfristig die Teilnehmerzahl auf 60 erweitern, was dazu führte, dass wir spontan auch das Rotations-Prinzip und die Kaffeepausen lockerten. Da uns vor allem wichtig war, den TeilnehmerInnen viel Raum zur Diskussion aber auch zum Ausprobieren zu geben, wurde nur das Rotationsprinzip zwischen den Tischen aufrechterhalten.

Fazit

Wir waren überwältigt von dem großen Interesse, dass uns sowohl intern als auch extern entgegengebracht wurde. Vor allem intern war die Nachfrage groß und KollegInnen aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen (Werkstätten, Grafikabteilung, Verwaltung, Forschungsabteilung, KuratorInnen, Bildungsabteilung) nahmen an dem Workshop teil. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv und noch Wochen nach dem Workshop wurden wir auf die Veranstaltung angesprochen. So wurde unsere Abteilung z.B. direkt in einem kleinen Projekt zum Jahresabschluss eingebunden und einige KuratorInnen bekundeten Interesse der Zusammenarbeit hinsichtlich der Gestaltung von digitalen Ausstellungsinhalten.

Für uns war die Veranstaltung, trotz des hohen Arbeitsaufwands, ein großer Erfolg. Auch wir konnten andere Abteilungen besser kennenlernen und intensive Diskussionen zum Thema Digitalisierung aus verschiedensten neuen Blickwinkeln führen. Die selbstorganisierte Durchführung einer solchen Veranstaltung können wir deshalb jeder Einrichtung wärmstens empfehlen.

Aktuell arbeiten wir an eine Publikation zum Symposium. Zudem findet man zu den meisten Vorträgen Videos auf der Seite des Symposiums. Für 2019 ist bereits eine Nachfolgeveranstaltung geplant, in der wir den Workshop-Teil weiter ausbauen wollen, um diesmal auch mehr externen Gästen die Teilnahme zu ermöglichen.

Beitrag von: Andrea Geipel und Johannes Sauter

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