11. März 2019
Entwickeln, Vermittlungskonzepte

Die interpersonelle Vermittlung mit Augmented Reality verstärken – wie geht das?

Der Augmented Reality-Prototyp „StorytellAR“ als erster Schritt für die digitale Erweiterung der interpersonellen Vermittlung für Besuchergruppen.

Digitale Medien bieten die Möglichkeit Sammlungsobjekte in ihrer Aussagekraft zu unterstützen und kontextuell zu erweitern. Ähnlich wie Sonderführungen können digitale Medien im Rahmen von Dauerausstellungen den bestehenden festen Ausstellungsraum mit einer gewissen Flexibilität bereichern und deren Vermittlungsziele unterstützen, erweitern oder zugänglicher gestalten. Im Fall von Großobjekten wie dem Kulthaus der Abelam aus Papua-Neuguinea im zukünftigen Humboldt Forum ist die raumbezogene Augmented Reality-Technologie besonders sinnvoll. Unzugängliche oder zunächst unsichtbare Besonderheiten können damit erfahrbar gemacht werden. Am Anfang unserer konzeptuellen Aufarbeitung standen unter Berücksichtigung dieser Annahmen folgende Fragen:

  • Wie könnte die interpersonelle Vermittlung für Gruppen mit Augmented Reality-Technologie über reine Objektvermittlung hinaus weitergedacht werden?
  • Was könnte eine digitale Anwendung als Tool für die Mensch-zu-Mensch Kommunikation im Museum beitragen?
Unterschiedliche Darstellungsfunktionen für Museumsguide und Gruppe: Mit dem Augmented Reality Prototyp werden digitale Modelle zur interpersonellen Vermittlung getestet © SMB / D. Fuhrmann

Geleitete Selbsterkundung von Objekten via Augmented Reality

Mit dem Low-Fidelity Prototypen „StorytellAR“, suchten wir in einem iterativen Prozess nach Antworten. Zentral für uns war der Ansatz, dass der AR-Anwendung eine unterstützende Rolle im Verhältnis Großobjekt im Ausstellungsraum – Guide der Sonderführung –  BesucherInnen zukommen soll, und zwar sowohl für den führenden Guide als auch für die geführten BesucherInnen. Im AR-Prototyp haben wir diesen Ansatz in der Entwicklung einer Software mit zwei Varianten umgesetzt: Die erste Softwareversion für das mobile Gerät des Guides verfügt über ein Steuerungsmenü zur Freigabe von Informationsschichten. Die zweite Version richtet sich an die Besuchergruppe. Auf mobilen Geräten können sie selbstständig und nach eigenen Bedürfnissen Inhalte der durch den Guide freigegebenen Informationsschichten erkunden.

Die im Prototypen erprobten Funktionalitäten ermöglichen es, nicht begehbare Bereiche des Hauses virtuell zu betreten, verborgene Details innerhalb des Kulthauses in Form von 3D-Digitalisaten großformatig zu betrachten und Bauprozesse durch Videosequenzen zu verdeutlichen. Zusätzlich eröffnet der Prototyp einen Weg zur Einflussnahme der BesucherInnen auf die Erzählung des Guides. Gerade an dieser Stelle liegt – so unser Erkenntnisgewinn des Testings von StorytellAR – ein enormes Potenzial in der geleiteten Selbsterkundung des Objektes mit AR.

Zur Erklärung ein Beispiel: Die BesucherInnen können in einer nächsten Projektphase Fragen oder Anmerkungen am Objekt markieren. Ihre Inputs dienen wiederum als Grundlage für einen Dialog mit dem geschulten Guide zu dem gezeigten Objekt. Der Prototyp StorytellAR stellt einen ersten Schritt dar zur Erweiterung eines traditionell linearen Vermittlungsformats hin zu einer multidirektionalen, flexiblen und partizipativen Toolbox, die sowohl für BesucherInnen als auch für die Bildung und Vermittlung im Museum neue Mehrwerte des Museumserlebnisses ermöglichen kann.

Nächste Schritte

In der nächsten Entwicklungsphase der AR-Anwendung widmen wir uns neben der Feinjustierung und Erweiterung von Funktionalitäten vorwiegend der Entwicklung einer klugen und stringenten Erzählung. Unser Ziel ist es, dass das mit der Augmented Reality-Technologie erweiterte interpersonelle Vermittlungsformat neue, individuell gestaltbare Perspektiven und partizipative Erzählmöglichkeiten im Sinne der digital erweiterten Visitor Journey eröffnet. Wie das konkret umgesetzt wird, ist am Beispiel des Kulthauses der Abelam im zukünftigen Humboldt Forum zu erproben, zu testen und zu evaluieren.

Beitrag von: Cristina Navarro und Dietmar Fuhrmann

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