(De-)Coding Culture. Kulturelle Kompetenz im Digitalen Raum

Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Wie lassen sich der analoge und digitale Museumsraum miteinander verknüpfen, um vielfältige Bezüge zwischen den Besucher*innen und Objekten herzustellen? Wie lässt sich die Bedeutung von Kunst und Kultur für den individuellen Alltag unserer Besucher*innen mithilfe nutzer*innenzentrierter digitaler Technologien aufzeigen? Die daraus resultierende identitätsstiftende Wirkung von Kunst und Kultur soll ein möglichst breites und diverses Publikum zur Auseinandersetzung anregen und die Bindung zwischen Besucher*innen und Museen stärken. Es gilt, die Potenziale digitaler Technologien als Werkzeuge des Wissenstransfers zu erproben und Bezüge zwischen Museen, Objekten und Besucher*innen herzustellen.

Unsere Ziele

Schwerpunkt der Arbeit wird in den kommenden Monaten der Ausbau der Online-Sammlungen als Multiexperience-Plattform sein. Die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und die darin enthaltenen Objekte und Kunstwerke werden dabei, ausgehend von ihrem identitätsstiftenden Wert und ihrer Bedeutung für Kunst und Kultur, in einem Prozess stetiger, reflexiver Selbst-Vergewisserung von Individuum und Gesellschaft – dem kulturellen Gedächtnis – befragt und vermittelt. Zu diesem Zweck werden, über die – in der ersten Projektphase geschaffene – API der Online-Sammlungen der SMB, mittels Künstlicher Intelligenz (KI) und Linked Open Data (Normdaten-Verknüpfung), individuelle Bezüge zwischen und zu den Sammlungen hergestellt. Von einem holistischen Verständnis digitaler Museumsarbeit ausgehend greifen die Projekt-Säulen Anwendungen, Strukturmaßnahmen und Besucher*innen-Forschung ineinander und stellen so den Wissenstransfer wie auch die nachhaltige Anbindung der Maßnahmen in die Institution sicher.

Besucher*innen testen eine Anwendung in der Alten Nationalgalerie
Besucher*innen während eines Testings in der Alten Nationalgalerie Berlin, Foto: Retina Fabrik, CC BY 4.0

Teilprojekt bis 2020

Das museum4punkt0-Teilprojekt der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SMB) hat 2017 das Ziel formuliert, eine digital erfahrbare Visitor Journey zu konzipieren und umzusetzen. Hierbei stand die Diversität des Publikums, seine durch die Digitalisierung im Alltag veränderten Erwartungen und Wünsche an den Museumsbesuch im Fokus. Im iterativen Prozess entstanden erste digitale Anwendungen sowie die hierfür notwendigen infrastrukturellen und organisationalen Voraussetzungen. Im Jahr 2019 wurden die Bereiche Besucher*innen-Forschung, Anwendungen und Strukturmaßnahmen, die in ihrem Zusammenspiel die Voraussetzungen für die vielfältigen Kontaktpunkte zwischen Besucher- und Nutzer*innen von Museen – die Visitor Journey – schaffen, als grundlegende Säulen des Teilprojektes definiert. Der analoge und der digitale Museumsraum wird dabei weiterhin als komplementäre Gestaltungsmittel eines Gesamterlebnisses verstanden.

In einer empirischen Grundlagenstudie haben wir die Kontaktpunkte und Bedürfnisse hinsichtlich (digitaler) Vermittlungsangebote der Besucher*innenschaft umfassend untersucht. Weiterführende Rezeptionsforschungen sowie entwicklungsbegleitende Testreihen fokussierten die Frage, welcher Mehrwert durch den Einsatz digitaler Technologien bei den jeweiligen Zielgruppen erreicht wurde. Um zusätzliche Kenntnisse über die Potentiale digitaler Technologien in Museen zu erlangen, entstanden in der Säule Anwendungen einige Konzeptstudien und Entwicklungen in verschiedenen technologischen Ausbaustufen. Auf diesen Vorarbeiten und Erkenntnissen bauten die späteren lauffähige Versionen, wie etwa die Progressive Web App, der interaktive Future Walk oder die Neukonzeption der Online Sammlungen (SMB Digital) auf. Die Projektsäule Infrastruktur hatte zum Ziel, die Entwicklung der technischen und organisatorischen Voraussetzungen abzubilden. Dazu gehörte die Etablierung effizienter und dynamischer Workflows zum Generieren und Dokumentieren von (Objekt-)Daten sowie der Aufbau konkreter technischer Einrichtungen wie z.B. ein öffentliches Wlan.

Im Projekt (De-)Coding Culture ab 2021 wird dieser Ansatz konsequent weiterverfolgt. Im Prozessverlauf werden dabei stets Anwendungsentwicklung, Rezeptionsforschung und Infrastrukturausbau miteinander rückgekoppelt und die Ergebnisse zur Nachnutzung in die Institution und den Verbund getragen.

Film zum Teilprojekt „Visitor Journeys neu gedacht. Die digitale Erweiterung des Museumsbesuchs“ der Staatlichen Museen zu Berlin (Stand: Oktober 2020):

Strukturmaßnahmen

Display – Starterkit zur Erstellung von Web-Apps für 3D-Objekte in Museen

Setting für BetreuerInnen der Virtual Reality Installation „Mit dem Mönch am Meer“

Anwendungen

Visualisierung – Visuelle Exploration zweier musealer Sammlungen

Nachgenutzt – das „Display“ Starterkit bildet die Grundlage zur Web-App „Bronzen wie Tiere“

Future Walk. Ein interaktives Hörerlebnis für das Kulturforum und seine Museen

Online-Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin

Digitales Begleitmedium zur Sonderausstellung „Mantegna und Bellini“

StorytellAR – ein Augemented Reality-Prototyp zur interpersonellen Vermittlung

SwellAR – Low-Fidelity Prototyp zur Erweiterung einer Karte mit Augmented Reality

Ena wasawasa levu. Auf dem weiten Meer – Ein Virtual Reality Spiel für Kinder und Jugendliche

AR Interactive Guide Tool – interpersonelle Ausstellungsvermittlung mit AR neu denken

Messenger Bot für den Facebook Messenger

xplore Highlights – eine Web-App für die Sonderausstellung „Humboldt Forum Highlights“

Trompe-l’œil: Ein Augmented-Reality-Prototyp für die Gemäldegalerie

Besucher*innen-Forschung

Rezeptionsforschung 360°-Anwendung „10 Jahre Neues Museum“

Rezeptionsforschung zur VR-Installation „Mit dem Mönch am Meer“ in der Alten Nationalgalerie

Vor, während und nach dem Besuch. Die Visitor Journey in den Staatlichen Museen zu Berlin.

Unsere Halbjahresbilanz

In den kommenden Monaten wird die Online Sammlung weiter zur Plattform ausgebaut: die Module Themen und Touren werden durch neue Features ergänzt, auf den Objektdetailseiten der Recherche werden den Nutzer*innen weitere Informationen zur Verfügung gestellt. Um herauszufinden, wie Künstliche Intelligenz (KI) nutzer*innen-orientiert in die Plattform eingebunden werden kann, werden hierzu eine Konzeptstudie und Prototypen als Grundlage dieser Exploration entwickelt. Im holistischen Prinzip der Projektarbeit wird die Infrastruktur der Museen weiterausgebaut, um über WLAN digitale Angebote in den Häusern verfügbar zu machen. Um die Möglichkeiten digitaler Technologien für mehr Inklusion einsetzen zu können, wird auch in diesem Jahr die Arbeit mit Expert*innen in eigener Sache fortgesetzt.

Einblicke in unser Teilprojekt

Team

Prof. Dr. Christina Haak

Prof. Dr. Christina Haak

Teilprojektleitung / Stellv. Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin

Timo Schuhmacher

Timo Schuhmacher

Teilprojektsteuerung / Wissenschaftlicher Mitarbeiter – Bildung & Vermittlung

Sandro Schwarz

Sandro Schwarz

Wissenschaftlicher Mitarbeiter – IT-Gesamtplanung

Josefine Otte

Josefine Otte

Wissenschaftliche Mitarbeiterin – Nutzer- und Rezeptionsforschung

Mehr erfahren

Das Teilprojekt im Blog