Immer mehr Museen setzen Virtual Reality-Brillen ein. Klassische Vermittlungskonzepte müssen dabei neu gedacht werden, denn wie lassen sich museale Inhalte digital erzählen? Und wie gelingt es, dass dabei mehr als ein Staunen über die Technik entsteht, im besten Fall also ein Lerneffekt oder ein emotionales Erlebnis? Diese Fragen haben wir uns im Deutschen Auswandererhaus gestellt, als wir unser Ausstellungsexperiment „KRIEGsgefangen. OHMACHT. SEHNSUCHT. 1914 – 1921“ konzipiert haben. Als kulturhistorisches Museum wollten wir zudem herausfinden, ob und wie sich persönliche biographische Geschichten, die den Kern unserer Sammlungstätigkeit ausmachen, virtuell vermitteln lassen.

Teilnehmerin des Ausstellungsexperiments am Deutschen Auswandererhaus beim Ausfüllen eines Fragebogens

Teilnehmerin des Ausstellungsexperiments am Deutschen Auswandererhaus © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Manuel Krane

Wie erzählt man museale Inhalte in Virtual Reality? Welcher Lerneffekt bleibt zurück? Ein Ausstellungsexperiment sucht nach Antworten.

Wie erzählt man museale Inhalte in Virtual Reality? Welcher Lerneffekt bleibt zurück? © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Manuel Krane

Eine wissenschaftliche Studie soll Antworten auf diese Fragen liefern. Die Idee: In einer eigens dafür aufgebauten Ausstellung werden Inhalte sowohl analog in klassischen Ausstellungsräumen vermittelt als auch digital über VR-Brillen. Probanden nehmen vor und nach dem Besuch an einer wissenschaftlichen Befragung teil. „Welche Worte würden Sie benutzen, um Ihre Erfahrung in der Virtual Reality zu beschreiben?“ wird dabei abgefragt oder ob die Virtual-Reality-Erfahrung die Emotionalität der Geschichte erhöht habe.

Hintergrund: Ein Ausstellungsexperiment

Die Ausstellung „KRIEGsgefangen. OHNMACHT. SEHNSUCHT. 1914 – 1921“ war vom 1. August bis zum 30. November 2018 im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven zu sehen. Im Mittelpunkt stand der Hamburger Soldat August Schlicht, der 1914 in russische Kriegsgefangenschaft geraten ist. Über sechs Jahre ist er in Russland, erst danach kann er zu seiner Frau Tony und seiner Tochter Hildegard zurückkehren, die er schmerzlich vermisst. Zwei Gefühle fallen in den Briefen, die er an Frau und Tochter schreibt, besonders auf: Die Ohnmacht, im Gefangenenlager nichts an seiner Lebenssituation ändern zu können und die Sehnsucht nach seinen Liebsten. Diese beiden Gefühle haben wir sowohl analog als auch digital aufbereitet.

Der analoge Teil des Experiments arbeitet u.a. mit Originaldokumenten.

Der analoge Teil des Experiments arbeitet u.a. mit Originaldokumenten © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Manuel Krane

Im digitalen Teil des Ausstellungsexperiment werden Aspekte der Gefangenschaft August Schlichts über Virtual Reality vermittelt

Im digitalen Teil werden Aspekte der Gefangenschaft August Schlichts über Virtual Reality vermittelt © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Andreas Heller

Mittlerweile ist die Ausstellung vorbei und die Auswertung der Befragung läuft auf Hochtouren. Unsere WissenschaftlerInnen werten dabei über 1400 Fragebögen aus Vorher- und Nachher-Befragungen der über 700 Teilnehmer aus. „Es ist wahnsinnig spannend, die vielen verschiedenen Antworten der Probanden zu lesen und zu sehen, wie unterschiedlich sie auf die Ausstellung und auf Virtual Reality reagiert haben“, erzählt mir Studienleiterin Katie Heidsiek.

Neben den Fragen nach der Emotionalität wurden auch praktische Fragen gestellt, etwa ob BesucherInnen bereit wären, mehr Geld für Ausstellungen mit Virtual-Reality-Inhalt auszugeben. Außerdem haben unsere WissenschaftlerInnen geprüft, welches in der Ausstellung vermittelte Wissen bei den BesucherInnen hängen geblieben ist – dazu läuft aktuell eine telefonische Nachbefragung, um auch über die Langzeit-Wirkung Aussagen treffen zu können. Die Ergebnisse der Studie werden im Frühling 2019 veröffentlicht.

Beitrag von: Manuel Krane

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