14. Juli 2020
Assoziierter Partner, Vermittlungskonzepte

Erfolgsversprechen Beteiligung: NutzerInnen als Co-KuratorInnen

Kulturvermittlerin Sophia Gröschke über die Einbindung der NutzerInnen bei der Entwicklung von Online-Formaten und den Austausch in museum4punkt0.

Jugendliche erstellen am Tablet einen Video-Beitrag für die Webplattform youpedia.de
Filmschnitt eines Video-Beitrags im Youpedia-Projekt, Foto: Klassik Stiftung Weimar / Henry Sowinski, CC BY 4.0

Frau Gröschke, die Klassik Stiftung Weimar ist assoziierter Partner von museum4punkt0. Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit?

museum4punkt0 vernetzt nicht nur ganz unterschiedliche Kultureinrichtungen miteinander in Bezug auf digitale Vermittlung, sondern rückt auch ganz klar die Besucherorientierung in den Fokus. Auch wir, die Klassik Stiftung Weimar, denken digitale Vermittlung von diesem Ansatz her. Das ist nicht immer ganz einfach, viel zu oft bleiben wir bei einer Eins-zu-Eins-Onlinepräsentation unseren Sammlungen stehen. Natürlich gehört es zu den Voraussetzungen digitaler Vermittlungsarbeit, dass Sammlungen online zugänglich sind. Doch was ist aus BesucherInnensicht (und die BesucherInnen sind sehr divers) darüber hinaus wünschenswert? Welche Ansprüche stellen sie an moderne Museen und welche Nutzungsgewohnheiten spielen eine Rolle? Gerade hierzu hoffen wir auf einen produktiven Austausch mit museum4punkt0.

Welche digitalen Angebote können BesucherInnen Ihrer Häuser bereits nutzen?

Je nach Interesse und Zielgruppe gibt es unterschiedliche digitale Angebote. Ein wichtiges Vermittlungsinstrument ist unsere App Bauhaus+, die als Medienguide vor Ort, aber auch für Hintergrundinformationen und Servicehinweise zur Vor- oder Nachbereitung eines Besuchs dienen kann. Bisher sind hier Inhalte zu unseren Häusern der Moderne (Bauhaus-Museum Weimar, Museum neues Weimar, Haus Am Horn und Nietzsche-Archiv) zu finden, wir bauen sie aber sukzessive aus. Im nächsten Jahr 2021 wird sie auch durch unsere Parkanlagen führen.

Daneben ist natürlich unsere Homepage ein zentrales Informationsmedium, ebenso wie unsere intensiv bespielten Social-Media-Kanäle und der Online-Blog der Klassik Stiftung. Durch das Bildungsprojekt youpedia.de ist zudem eine stetig weiterwachsende Webplattform von Jugendlichen für Jugendliche Teil unseres Angebots geworden. Hier haben Jugendliche im Rahmen von Exkursionen Beiträge zu verschiedenen Themen der Weimarer Kulturgeschichte erstellt. Schließlich gab es, bedingt durch die Corona-Pandemie, einen regelrechten Schub an digitalen Formaten, wie digitalen Werkstattangeboten. Aber auch Ausstellungen selbst können zum Teil in speziellen Digitalformaten, zum Beispiel als 360°-Rundgänge, erkundet werden. Zudem bietet die Klassik Stiftung Weimar als Forschungseinrichtung zahlreiche Angebote zur Online-Recherche an.

Zwei KollegInnen aus der Bildungsabteilung der Klassik Stiftung Weimar vor dem Wohnhaus Henry van de Veldes zu Beginn der Live-Führung #stayathome
Live-Führung #stayathome: KollegInnen aus der Bildungsabteilung der Klassik Stiftung Weimar führen Live durch das Wohnhaus Henry van de Veldes, Foto: Klassik Stiftung Weimar, CC BY 4.0

Wie würde Ihre persönliche Visitor Journey rundum Ihr Museum und darin aussehen?

Ich fände es großartig, wenn wir über digitale Vermittlungsangebote ganz neue Zielgruppen erreichten. Die Visitor Journey könnte dann mit einem überraschenden Moment beginnen, etwa mit einem Format, das die Menschen gar nicht von der Klassik Stiftung erwarten, das nah an ihrer Lebenswelt ist und sie erst einmal neugierig macht. Hier geht es auch darum, Vorurteile und Hemmschwellen (beiderseits) abzubauen. Die Reise würde dann natürlich auch ins Museum gehen. In welchem Format so ein Besuch stattfindet, sollte aber auch gemeinsam entwickelt werden. Im Digitalen sind wir dann wieder bei der Frage, was die BesucherInnen aus dem Museum mitnehmen, aber auch, was sie dalassen können: eigene Ideen, Eindrücke, Verbesserungen, vielleicht auch ganz konkret neue Ausstellungsstücke. Persönliche Aneignungsformen sollten sichtbar werden und der Austausch mit anderen BesucherInnen möglich sein.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse hinsichtlich des Nutzungsinteresses digitaler Museumsangebote nehmen Sie mit aus der Zeit notwendiger Einschränkungen des regulären Betriebs?

Die Angebote werden dankbar und neugierig angenommen. Wir sind durch Corona mutiger in der digitalen Vermittlung geworden. Wir haben aber auch gesehen, wo noch viele Baustellen sind. Gerade in Bezug auf die Wünsche unserer NutzerInnen müssen wir noch viel stärker in den Dialog gehen. Aber natürlich haben wir als öffentlich-rechtliche Institution einen Bildungsauftrag, auch im digitalen Raum. Beides wollen wir in Zukunft besser und lebendiger miteinander verbinden.

Wo sehen Sie Möglichkeiten, Synergien mit anderen Institutionen der deutschen Museumslandschaft zu nutzen? Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang die Chancen von museum4punkt0?

Vor den beschriebenen Herausforderungen stehen alle Museen. Ich denke, hier liegt die Chance, gemeinsam zu lernen, Angebote zu erproben und Kommunikationsformen zu entwickeln. museum4punkt0 bietet dafür einen wunderbaren Rahmen und die notwendige Expertise.

Beitrag von: Sophia Gröschke

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