2. April 2021
BesucherInnen im Blick, Teilen, Vermittlungskonzepte, Wissenstransfer

Im Austausch: Was interessiert Studierende? Welche Fragen haben sie zur Vermittlungsarbeit im Museum?

Dr. Silke Krohn zu digitaler Partizipation, dem Miteinander von analog und digital, Aufgaben und Zielen von museum4punkt0

Mentimeter-Befragung
Was interessiert Dich an der Institution Museum? Mentimeter-Befragung der Teilnehmenden (www.menti.com), Abbildung: Mirjam Gläser

Unsere museum4punkt0-KollegInnen Jonas Kuhn und Mirjam Gläser vom Jüdischen Museums Rendsburg, Teil der Landesmuseen Schleswig-Holstein, bieten in diesem Semester das Modul „Berufsfeldorientierung Vermittlungsarbeit in Museen“ für Studierende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an. Es geht um das Museum als Ort der Bildung Je nach Gattung werden spezifische wissenschaftliche Berufsgruppen in einem Museum gebraucht. Die Bildungs- und Vermittlungsarbeit knüpft an diese inhaltlichen Schwerpunkte an und bietet somit einen heterogenen und breitgefächerten Arbeitsbereich.

Teilen und weitergeben
Teilen und weitergeben: Team Z von museum4punkt0 im Austausch mit Studierenden, Grafik: Stiftung Preußische Kulturbesitz / museum4punkt0 / Julia Rhein, CC BY 4.0

Die Teilnehmenden des Moduls kommen aus unterschiedlichsten Studiengängen wie Sprachwissenschaften, Geschichte, Politikwissenschaft, Ethnologie, Archäologie sowie vielen weiteren Fachbereichen.

Die Studierenden hatten zu Beginn der Veranstaltung den Wunsch geäußert, Input aus digitalen Projekten zu bekommen. Eine gute Gelegenheit, die Expertise des Verbunds zu nutzen! Dr. Silke Krohn, zuständig für Kommunikation und Vermittlung im Zentralen Steuerungsteam von museum4punkt0, wurde eingeladen, das Verbundprojekt im Kurs vorzustellen und anschließend in den Austausch mit den Studierenden zu gehen.

Digitale Diskussion über digitale Vermittlung
Hochgeklappt: Auch das Modul „Berufsfeldorientierung Vermittlungsarbeit in Museen“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel findet digital statt. Dr. Silke Krohn von museum4punkt0 diskutiert mit den Studierenden über digitale Vermittlung im Museum, Audimax, Hörsaal C, Blick von der Seite, Foto: Jürgen Haacks / Uni Kiel

Was macht museum4punkt0? Welche Ziele hat das deutschlandweite Verbundprojekt? Wie gelingt es, sich im Verbund intensiv auszutauschen und Wissen mit anderen Institutionen zu teilen? Wie können möglichst viele Häuser auf dem Weg in die Digitalität mitgenommen werden? Und was heißt es, analog und digital zusammenzudenken? Dr. Silke Krohn gibt einen Überblick über die Verbundarbeit und bietet den Studierenden darüber hinaus einen kurzen Exkurs zu den Grundsätzen digitaler Vermittlung. Anschließend können die Studierenden Fragen stellen:

Gerade während der Zeit der Covid-19-Pandemie liegt der Fokus von kulturellen Institutionen auf digitale Ausstellungs- und Museumsführungen, die online kostenfrei genutzt werden.

Mentimeter-Befragung
Mentimeter-Befragung der Teilnehmenden (www.menti.com), Abbildung: Mirjam Gläser

Versteht sich das Projekt museum4punkt0 als Ort oder Plattform, die das mannigfaltige digitale Angebot von Museen und kulturellen Einrichtungen aufzeigt?

In den vielen unterschiedlich ausgerichteten Teilprojekten von museum4punkt0 sind digitale Technologien das Werkzeug, um zielgruppengerecht und auf das jeweilige Haus zugeschnitten Inhalte zu vermitteln. Es geht also darum, mithilfe digitaler Technologien den Zugang zum kulturellen Erbe zu erweitern. Dabei gilt: Inhalt vor Technik! Ziel ist es, digitale Bausteine in die sogenannte Visitor Journey einzufügen und ein sinnvolles Nebeneinander von analog und digital zu erreichen. Das ist viel mehr als eine reine Übertragung des Analogen ins Digitale, also etwa die digitale Bereitstellung der Aufnahme einer analogen Führung.

In unseren Projekten werden dazu Prototypen entwickelt und getestet. Die Projektergebnisse – Erfahrungsberichte, Evaluierungen, nachnutzbare Anwendungen, Betriebskonzepte, Leitlinien – werden bereitgestellt. Der Erfahrungsaustausch im Verbund und das Weitergeben von Wissen sind zentrale Komponenten unserer Projektarbeit. Eine Übersicht über das digitale Angebot kultureller Einrichtungen gehört nicht zu den Aufgaben des Verbundprojekts. Aber selbstverständlich sind wir permanent im Austausch mit unseren Teams und KollegInnen anderer Häuser über neue Entwicklungen im Bereich digitale Vermittlung, greifen Themenaspekte in öffentlichen Veranstaltungen auf und informieren dazu in unserem Blog sowie in den Sozialen Medien.      

Wie kann Teilhabe von NutzerInnen und BesucherInnen vor allem im Digitalen gewährleistet werden? Wie kann angemessen auf die Heterogenität der interessierten Menschen eingegangen werden?

Tatsächlich hat sich auch in einer unserer digitalen öffentlichen Veranstaltungen vor kurzem erneut bestätigt, wie wichtig die Frage nach Möglichkeiten digitaler Teilhabe ist! Partizipation wird als ausschlaggebend für die Relevanz von Museen heute gesehen. Klar: Partizipationsangebote allein reichen nicht, diese müssen auch angenommen werden. Eine nutzerInnenzentrierte Entwicklung, die von Anfang an in iterativen und co-kreativen Arbeitsprozessen die künftigen NutzerInnen einbezieht, ist hier entscheidend. Nur so lassen sich Bedarfslagen und Voraussetzungen der Zielgruppen frühzeitig erkennen und berücksichtigen. In der Konzeption digitaler Vermittlungsangebote kann auch die Definition von „Persona“ helfen, also das Herausarbeiten unterschiedlicher Motivationstypen.

Wie können vor allem kleine Häuser finanzielle Unterstützung beantragen und welche Anträge sind zu stellen? Wie können kleine Häuser durch den museum4punkt0-Verbund unterstützt werden?

museum4punkt0 ist ein Verbundprojekt, das von der Beauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wird. Wir selbst vergeben keine Fördermittel. Einen Überblick über Fördermöglichkeiten auch für kleinere Häuser bietet beispielsweise der Deutsche Museumsbund.

museum4punkt0 unterstützt gerade auch kleinere Häuser, indem nachnutzbare Anwendungen und Codes bereitgestellt und sämtliche Projektergebnisse zu kostenfrei verfügbaren Online-Publikationen aufbereitet werden. An unseren öffentlichen Veranstaltungen der Reihe museum4punkt0 | impulse können alle Interessierte teilnehmen. Wir konzipieren diese jeweils anhand der Bedarfslage, die sich aus Rückmeldungen, Kommentaren und der Diskussionen in den und rund um die Veranstaltungen ergibt. In diesem Rahmen richten wir uns gezielt auch an Mitarbeitende in kleineren Häusern, die sonst weniger am Diskurs zur digitalen Vermittlung der Institutionen mit elaborierten Digitalstrategien und -angeboten beteiligt sind.

Können digitale Objekte und Ausstellungen die physische Auseinandersetzung ersetzen?

Digitale Objektdarstellungen können unserer Meinung nach nicht das Original ersetzen. Digital und analog können sich aber gegenseitig ergänzen und gut nebeneinander funktionieren – gerade das ist Ziel von museum4punkt0: Vermittlungsangebote zu entwickeln, die die Auseinandersetzung mit dem Objekt unterstützen, sowohl im digitalen Raum als auch im analogen. Es braucht also beides – und zwar beides miteinander! Dabei ist es wichtig nicht Analoges einfach den digitalen Raum zu übertragen, sondern aus dem Digitalen heraus zu entwickeln.

Ist es möglich, dass ExpertInnen des Verbunds für Bachelor- oder Masterarbeiten, zum Beispiel als InterviewpartnerIn, zu bestimmten thematischen Schwerpunkten zur Verfügung stehen?

Anfragen können immer gerne an uns geschickt werden. Wir bemühen uns, diese an die passenden AnsprechpartnerInnen weiterzuleiten.

Kooperationen und die Zusammenarbeit mit Universitäten und Hochschulen sind nicht nur für museum4punkt0 interessant und relevant. Die Kollaboration mit Studierenden und Lehrenden ist für viele kulturelle Institutionen sehr gewinnbringend. Zum einen können die StudentInnen durch Einblicke in die (wissenschaftliche) Museumspraxis und den Austausch mit ExpertInnen unterschiedlichster Fachrichtungen die Arbeitsbereiche der Institution kennenlernen. Zum anderen fördern die Studierenden oft die Auseinandersetzung der Institutionen mit aktuellen Forschungen, Methoden und Lehrinhalten. Die Durchmischung unterschiedlichster Studiengänge und Fachrichtungen kann einen neuen, multiperspektivischen Blick auf kulturelle Arbeit werfen. Und das hilft, das Museum neu zu denken!

Beitrag von: Mira Hoffmann, Dr. Maite Kallweit und Dr. Silke Krohn

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Teilprojekt: Zentrale wissenschaftliche Projektsteuerung
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Zentrale wissenschaftliche Projektsteuerung

Das museum4punkt0-Team der Stiftung Preußischer Kulturbesitz steuert das Verbundprojekt, kommuniziert die Projektarbeit, organisiert den Erfahrungsaustausch, teilt Wissen im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen und stellt die Projektergebnisse bereit.