17. März 2021
BesucherInnen im Blick, Verbundarbeit, Vermittlungskonzepte, Wissenstransfer

Auf den Punkt gebracht: Digitaler werden Schritt für Schritt!

Über 190 Teilnehmende! museum4punkt0 trifft erneut das Interesse von Kulturschaffenden mit konkreten Empfehlungen, Erfahrungsberichten und Fishbowls

Grafik: Stiftung Preußische Kulturbesitz / museum4punkt0 / SilkeKrohn/Julia Rhein, CC BY 4.0

„Wo fangen wir an?“ Dr. Silke Krohn, zuständig für Steuerung der digitalen Vermittlung und Kommunikation in museum4punkt0, setzt Impulse für die zweite Veranstaltung 2021, in der sich erneut Praxisberichte und Fishbowl-Diskussionen mit Chat-Beteiligung ergänzen – mit großem Erkenntnisgewinn für Teilnehmende, ExpertInnen und das Veranstaltungsteam.

Das Format der digitalen Fishbowls hatte sich in der Auftaktveranstaltung der Reihe museum4punkt0 | impulse klar bewährt: ExpertInnen teilen Wissen und stehen für Fragen, Kommentare, Diskussionen mit den Teilnehmenden bereit. Die digitalen Veranstaltungen bieten spartenübergreifend Kulturschaffenden aus ganz Deutschland ein Forum zum bereichernden Austausch in angenehmer Atmosphäre – kleinere Häuser und große Institutionen profitieren gleichermaßen. Ausgehend von Diskussionsbeiträgen und Rückmeldungen konzipiert das Kommunikationsteam von museum4punkt0 die folgenden Veranstaltungen, um bedarfsgerechte Angebote zu machen. Dass das funktioniert, hat die Veranstaltung „Wir werden digitaler! Wie starten wir?“ unmissverständlich gezeigt: KollegInnen aus großen Institutionen und vor allem viele aus kleineren Häusern, die eventuell weniger regelmäßig an digitalen Veranstaltungen teilnehmen, haben ihre Standpunkte erklärt, ihre Herausforderungen beschrieben, von ihren Erfahrungen berichtet und hilfreiche Links im Chat geteilt. 

Klein beginnen – das große Ganze im Blick

Interessiert wird aufgenommen, wie Dr. Silke Krohn die ersten Schritte in Richtung Digitalität konkret benennt, Grundlegendes klärt und Empfehlungen gibt. Die von ihr präsentierte Übersicht steht zu einem Leitfaden aufbereitet hier zum Download bereit. Darin füllen sich die Schlaglichter, die auf den Weg in die Digitalität geworfen werden, mit detaillierteren Hinweisen zum konzeptionellen Vorgehen.

  • „Digital“ ist kein Projekt: Langfristig (!) denken und planen
  • Nur blinken und piepen reicht nicht – „Es“ muss zur Institution passen: Nicht einfach was mit Digital! Erst der Inhalt, dann die Technik
  • Der Weg in die Digitalität braucht neue Arbeitsprozesse: Wer macht was, wann, mit wem?
  • Konzeption schlägt Technik: Aus der Institution heraus konzipieren
  • Mit der Implementierung beginnt die Arbeit erst richtig: Den musealen Alltag im Blick behalten

Fastnachtsbräuche digital erlebbar machen – aber wie?

Artur Fuss vom Fastnachtsmuseum Narrenschopf Bad Dürrheim, einem kleinen vereinsgetragenen, ehrenamtlich unterstützen Museum, berichtet aus der Praxis des museum4punkt0-Teilprojekts „Kulturgut Fastnacht digital“: Das museum4punkt0-Team hat in den letzten Jahren 360-Grad-Filmen der Fastnacht im eigenen Haus produziert und bietet diese unter anderem an Medienstationen den BesucherInnen an. Die Medienstationen sind durch erklärende Videos zur Handhabung sehr wartungsarm und bieten einen niederschwelligen Zugang. Die technische Fortentwicklung sowie der Betrieb etwa hinsichtlich notwendiger Hygienemaßnahmen wurden in der Konzeption bereits mitgedacht. Artur Fuss gibt in der Fishbowl auf die interessierten Nachfragen konkrete Informationen zum Betrieb, Wartung, Instandhaltungen, Kosten, personellen Kapazitäten, Nachhaltigkeit der technischen Lösungen und die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen.

Dr. Silke Krohn und Arthur Fuss eröffnen die Fishbowl-Diskussion im Rahmen der Veranstaltung „Wir werden digitaler! Wie starten wir?“ mit über 190 Teilnehmenden, Screenshot (10.03.2021 Webex): museum4punkt0 / Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Julia Rhein, CC BY 4.0

Digitalität vom Haus aus denken! Mehrwert schaffen!

Eine besondere Herausforderung ist es, eine Dauerausstellung eines kleinen Museums neu, digital und langfristig zu planen. Wie sie diese Mammutaufgabe angehen, berichten Jonas Kuhn und Mirjam Gläser, Leiter und Kulturvermittlerin des Jüdischen Museums Rendsburg, welches zu den Landesmuseen Schleswig-Holstein gehört. Welche Bedeutung diese Struktur für die Entwicklung einer digitalen Strategie hat, erläutern sie an einigen Beispielen. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei, die Digitalisierung nicht der Digitalisierung halber zu betreiben, sondern immer den Mehrwert für das Museum und sein Publikum im Blick zu haben. Sie verfolgen den Ansatz, die digitale Strategie als festen Bestandteil der Gesamtstrategie für die neue Dauerausstellung zu implementieren. Dabei setzen sie auf nutzerInnenzentrierte Entwicklung mit regelmäßigen Testphasen. In Co-Creation-Workshops arbeiten sie mit Fokusgruppen zusammen. So entwickeln sie zum Beispiel in Designthinking-Prozessen gemeinsame Konzepte mit ortsansässigen SchülerInnen.

Und das mit Erfolg, so beantworten sie die Fragen „Wie werden neue Zielgruppen erreicht? Wie erfahren NutzerInnen von tollen Projekten?“  mit „Ein gutes Produkt, das mit der Zielgruppe in co-kreativen Prozessen erarbeitet wurde, verbreitet sich von selbst.“

Dennoch suchen sie nach Lösungen der optimalen Einbettung neuer Angebote in die Kommunikations- und Marketingprozesse, um neue Zielgruppen zu erreichen. Darüber diskutieren sie angeregt mit dem Publikum.

„Die Jüngste übernimmt den Facebook-Kanal“ – Ohne Soziale Medien geht es nicht, aber wie geht’s mit?

Denn die Beteiligung in der Fishbowl direkt und im Chat ist hoch: Als brennendes Thema kristallisiert sich die Nutzung Sozialer Medien heraus: Die Kommunikation in den Sozialen Medien wird gerade vor dem Hintergrund der Pandemie für notwendiger gehalten als digitale Medien in den Häusern selbst. Auch in kleinen Häuser lohnt der Kraftakt Social Media: Redaktionspläne und die Einbindung der KollegInnen können helfen. Dabei gilt es Nachhaltigkeit zu schaffen und die Kanäle nicht einfach den zwar engagierten aber stets wechselnden PraktikantInnen zu überlassen, sondern eine eigene Sprache zu entwickeln und am Ball zu bleiben. Die Mühen belohnt der Erfolg hoher FollowerInnen-Zahlen und damit die stark erweiterte Wahrnehmung der Institutionen.

Ebenfalls heiß diskutiert werden: Neue Arbeitsprozesse – und dann auch noch unter Pandemie-Bedingungen! Co-Creation digital? Können Kreativprozesse mit den Fokusgruppen auch im digitalen Raum funktionieren?

„Nicht im luftleeren Raum konzipieren!“

Zu nutzerInnenzentrierten Konzeptionsprozessen weiß Beate Lex, Unitleiterin an der MFG Baden-Württemberg einiges zu berichten. Sie stellt das Coaching-Programm „Museen im Wandel“ der MFG vor. An diesem Programm nehmen kleine Häuser teil, die sie mit konkreten Ideen zu einem digitalen Angebot, bei dessen Umsetzung die MFG sie in iterativen Endwicklungsprozessen zielgruppenorientiert unterstützt, bewerben. In Workshops werden die Ziele geschärft und Anleitung zur Zielgruppenerforschung gegeben, um das Angebot auf diese zuzuschneiden. Dabei setzten sie ihren eigens dafür entwickelten Methodenkompass ein. Ein großer Fokus wird in dem Programm auf Nachhaltigkeit gelegt, so sollen sich die Angebote in die Gesamtstrategie des jeweiligen Museums einfügen und auch neue Formen der Zusammenarbeit erlernt werden.

Das Thema Co-Creation mit verschiedenen Zielgruppen, vor allem im digitalen Raum ist von großem, allgemeinem Interesse, sodass wir dieses in einer der folgenden Veranstaltungen der Reihe museum4punkt0 | impulse gerne aufnehmen. Doch zunächst erfüllen wir einen anderen großen Wunsch unseres Publikums und stellen konkrete Anwendungen und deren verschiedene Entwicklungswege sowie die daran beteiligten AkteurInnen vor. Es bleibt spannend!

Wir freuen uns, dass sich unser Format abermals bewährt, wie auch die Ergebnisse der kleinen Umfrage zeigen, die wir zum Ende der Veranstaltung lancieren:

Grafik: museum4punkt0 / Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Julia Rhein, CC BY 4.0

Interessant ist es auch, dass wir viele Museen aus nichtstaatlichen Trägerschaften über unterschiedlichste Kanäle und Plattformen erreichen.

Nicht nur in der Umfrage, sondern auch in Mails und Anrufen bekamen wir positives Feedback. Und auch, dass von rund 230 Anmeldungen über 190 dabei waren und die meisten anderen extra mit Bedauern absagten, zeigt uns, wie wichtig unser Format ist – da bleiben wir sehr gerne dran!

Aus den Wünschen ziehen wir Impulse für die Konzeption weiterer Veranstaltungen, es bleibt spannend!

Wie versprochen gibt es alle Links, die im Chat gesammelt wurden, unten!

Beitrag von: Kommunikationsteam Z

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