22. Juli 2021
Technische Umsetzung, Wissenstransfer

RealDigital – Hybride Kulturveranstaltungen

Hybride Kulturveranstaltungen können die Türen öffnen für einen Austausch über Grenzen hinweg – Länder, Sprachen und Sparten rücken zusammen und neues Publikum wird erreicht. Das haben die Entwicklungen des letzten Jahres, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Pandemie-Bedingungen, gezeigt.

Publikumsbeteiligung via VoxR
Die Fotografien zeigen Einblicke in die Veranstaltung „99 Fragen Spurensuche wohin?“. Zu sehen sind Ausschnitte des Livestreams via YouTube aus dem Streaming-Studio 3, konkret Prasanna Oommen und Michael Dieminger im Gespräch mit Jim Chuchu sowie die Publikumsbeteiligung via VoxR: © Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Mit der plötzlichen Schließung der Museen im Jahr 2020 kam auch im Humboldt Forum die Frage auf, wie die geplanten Programmideen in ein digitales Format übertragen werden können. Daraus entstand das Forschungsprojekt „RealDigital“, in dem Möglichkeiten für neue Veranstaltungsformate entwickelt und erprobt werden – mit Fokus auf der Partizipation des Publikums.

Das Streaming-Studio als Experimental-Labor

Als Experimental-Labor für solche Projekte diente das Streaming-Studio im Saal 3 des Humboldt Forums. Vom 15. April bis zum 17. Juni 2021 wurde jeden Donnerstag gestreamt – vier kritische Veranstaltungsreihen gingen live und eröffneten neue Horizonte.

Reichlich Stoff für Diskussionen, mit Berliner*innen sowie internationalen Gästen, boten Themen, wie: „Menschliche Überreste in Museumssammlungen. Wie und warum kamen menschliche Überreste in die Museen? Wie könnte ein respektvoller Umgang mit ihnen aussehen?“. Ebenso warfen Forscher*innen von Berliner Universitäten in einer Veranstaltungsreihe Fragen zu Konzepten liberaler Demokratien auf und luden zum Debattieren ein.

Volker Wieprecht erklärt das Partizipationstool VoxR
Volker Wieprecht erklärt das Partizipationstool VoxR, YouTube-Screenshot MitWissenschaft2021, © Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Die Livestreams fanden auf Deutsch, Englisch und Französisch statt und wurden auch in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt. Während dieser Veranstaltungen konnten sich Zuschauer*innen aktiv mit Fragen einbringen, die Beiträge anderer Teilnehmenden wählen und somit mitentscheiden, welche Fragen dem Panel gestellt wurden. Dies geschah online, direkt im Browser des Smartphones, Tablets oder Computers in zahlreichen möglichen Sprachen. Die Fragen wurden automatisch auf Deutsch oder Englisch übertragen.

Fragen der Projektarbeit

Welche Werkzeuge werden zur Unterstützung der spezifischen hybriden Formate benötigt, wenn es darum geht, den Fokus auf Diskussion und Austausch zu richten? Wie wirkt sich diese neue Hybridität der digitalen Formate auf die Dramaturgie und kuratorischen Entscheidungen der Programminhalte aus?

In enger Zusammenarbeit mit den verschiedenen technischen und inhaltlichen Bereichen wurden die Veranstaltungen immer direkt im Anschluss evaluiert, um eine sofortige Verbesserung der Abläufe und Formate zu erreichen. Darüber hinaus dient dies dazu, Forschungsergebnisse zu erzielen, die Inhalt, Produktion und technische Umsetzung hybrider Kulturveranstaltungen zueinander in Beziehung setzen.

Die Projektarbeit ist vielseitig und reicht von Handreichungen zu pragmatischen Entscheidungen bis hin zu tiefgreifenden Fragen danach, wie es möglich ist, real und digital eine wahrhaftige Gemeinschaft zu bilden.

Zentrale Fragen des Projekts sind: Wie können wir das Publikum nicht aus dem Blick verlieren nur, weil wir es nicht sehen? Wie kann das Publikum eine eigene Sichtbarkeit und Stimme im hybriden Raum erhalten?

Veranstaltung: "99 Fragen"
Prasanna Oommen im Gespräch mit Dr. Amber Aranui, Prof. Dr. Ciraj Rassool und Dr. Bernhard Heeb bei der Veranstaltung: „99 Fragen“ – „Wir reden über Menschen, Menschliche Überreste in Museumssammlungen“ vom 10.06.2021, © Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Das Teilprojekt am Humboldt Forum, durch Innovation und Macher*innengeist getrieben, ist gespannt auf die kommenden Erkenntnisse und Ergebnisse in der Auseinandersetzung mit hybriden Veranstaltungsformaten. Die Pandemie führte dazu, dass die bisherigen Veranstaltungen nur rein digital durchgeführt werden konnten. Sinkende Inzidenzen lassen hoffen, dass die Verschränkung des realen und digitalen Raums schon bald Realität wird, Publikum also zugleich digital zugeschaltet und vor Ort empfangen werden kann. So wird es möglich sein, Hybridität in vollem Umfang zu testen.

Nun geht es darum, gemeinsam zu eruieren und zu erleben, inwiefern Institutionen hybride Veranstaltungsformate und deren Potential nutzen können, um das Publikum noch stärker in (globale) Diskurse zu involvieren und als Institution weiter in den Dialog zu treten.

Beitrag von: Christine Essling und Lavinia Frey

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