30. April 2020
Entwickeln, Technische Umsetzung, Vermittlungskonzepte

Technik, die nicht wie Technik aussieht: Die touchfähige Holzwand

Wie können mit Hilfe innovativer Techniken sinnliche Erfahrungen erzeugt und genutzt werden? Michael Fuchs, Teilprojektsteuerung im Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein, über die Möglichkeiten leitfähiger Tinte für die Vermittlung.

Bei der Berührung der Bilder und Textzeilen werden Animationen auf der Holzwand ausgelöst

Das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein konzipiert zur Zeit einen innovativen und nachhaltigen Holzbau für die Präsentation der Ergebnisse aus dem Teilprojekt im Verbund museum4punkt0. Holz soll aber auch bei der Ausstellungsgestaltung und digitalen Inszenierung thematisiert werden. Denn zum Gesamtkonzept des neuen Museums gehört auch die Auseinandersetzung mit der Frage nach einer sinnlichen Integration von Digitalität und Technik.

Denn in der Arbeit mit und für unser Museumspublikum haben wir festgestellt, dass wir verschiedene sinnliche Erfahrungen im Ausstellungsparcours ermöglichen wollen und haben diesen um eine wesentliche haptische Komponente ergänzt.

Eine interaktive Holzwand versucht, durch das natürliche Trägermaterial menschlichen Bedürfnissen entgegenzukommen. Oder besser gesagt: die Zurücknahme des Technischen zugunsten einer natürlicheren Umgebung erzeugt Wohlbefinden, was sich bestenfalls auf das Rezeptions- und BesucherInnen-Verhalten auswirken kann.

Illustrative Bedienungshinweise und die einfache Handhabung können zudem motivieren, die Hemmschwelle zu überwinden und sich mit neuen Medien und deren Inhalten auseinanderzusetzen. Darüber hinaus sollen mithilfe dieser spielerischen Anwendung Lernprozesse ausgelöst und die Informationsvermittlung spannender gestaltet werden.

Holzwand als Teil eines Gesamtkonzepts

Am Ende eines Parcours, bestehend aus zehn Stationen, kann an einer illustrierten Wand aus Holz die zuvor besuchte Ausstellung noch einmal reflektiert werden. Die Holzwand ist eingebunden in ein virtuelles Guidesystem, das die BesucherInnen individuell, interaktiv und personalisiert durch die Ausstellung führt.

Im Zusammenspiel mit den zuvor erkundeten Wissensstationen, Objekten und medialen Inszenierungen kann an dieser letzten Station noch einmal spielerisch das Erlernte gefestigt werden.

Kreativer Content

Für die Holzwand wurde ein Storyboard entwickelt, das eine Reise durch die Themen der gesamten Ausstellung unternimmt. Der Ausstellungscontent wird in diesem Format kreativ in Fragen, kombiniert mit Illustrationen, umgesetzt. Die NutzerInnen können die Inhalte reflektieren, die sie zuvor in der Ausstellung entdecken konnten. Nun können sie ihre neuen Kenntnisse interaktiv überprüfen.

Bei der Berührung der Bilder und Textzeilen werden Animationen auf der Holzwand ausgelöst, die signalisieren, ob die Fragen richtig oder falsch beantwortet wurden. Die Illustrationen, Animationen und Soundscapes sorgen dabei für eine spielerisch-sinnliche Auseinandersetzung mit den Inhalten. Vermittlungsziel dieser Anwendung ist es, Themen zu resümieren, die die BesucherInnen bereits in der Ausstellung kennengelernt haben, um diese durch Wiederholung zu vertiefen.

Wie sieht die technische Realisierung aus?

Die technische Umsetzung wurde durch den Einsatz von leitfähiger Tinte in Verbindung mit kapazitiven Sensoren, animierten Projektionen und Audiodaten realisiert. Zusätzlich wurden Projection Mapping, Python, MIDI-Protokoll, Arduino Controller für die Steuerung der Anwendung und Weitergabe der Steuerbefehle, Midi-Server zur Verarbeitung der Steuerbefehle und die Wiedergabe der zu projizierenden Inhalte als Technologien eingesetzt. Die Illustrationen wurden von Hand gezeichnet und in einem letzten Schritt, mit den Texten, im Digitaldruckverfahren auf die Holzplatten übertragen und versiegelt. Nachträglich mussten die kapazitiven Bereiche noch einmal mit Leitfähiger Tinte übermalt werden, um den Kontakt zu den Sensoren herzustellen. Für die Projektion der Animationen wurde ein Winkelbeamer verwendet.

Die Erfahrungen, Dokumentationen und Anleitungen zur Erstellung einer digitalen Holzwand werden für eine Nachnutzung zur Verfügung gestellt. Losgelöst vom virtuellen Guidesystem kann diese Anwendung auch als Stand-Alone-Anwendung realisiert werden.

Ein Beitrag von: Michael Fuchs

Teilprojekt: Kulturgut Fastnacht digital
Teilprojekt

Kulturgut Fastnacht digital

Wie lassen sich immaterielle Facetten von Bräuchen digital erleben und interaktiv vermitteln? Das erforschen die Fastnachtsmuseen Narrenschopf und Schloss Langenstein.

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