7. Mai 2020
Entwickeln, Vermittlungskonzepte

Über den Tellerrand: kreativer Einsatz von AR und VR im Museum

Neue digitale Anwendungsszenarien finden? Projektkoordinatorin Andrea Geipel vom Deutschen Museum zum inspirierenden Blick über die Museumswelt hinaus.

Screenshoot des Projektes Tiara, Foto: Deutsches Museum München, CC BY 4.0

Als Projektkoordinatorin befasse ich mich mit vielen organisatorischen Aufgaben, wie dem Projektmanagement, der Personalverwaltung und dem Controlling. Ich bin aber auch für die Evaluation unserer im Projekt entwickelten VR- und AR-Anwendungen und die Leitung des VRlabs im Deutschen Museum zuständig.

VRlab: Einladung auf die Experimentierfläche

Für unsere BesucherInnen ist das VRlab der Ort, an dem sie virtuell auf den Mond oder aber in die Vergangenheit zu einem von Lilienthals ersten Flügen reisen können, an dem sie ihren Kopf in den Dampfkessel der Sulzer Dampfmaschine stecken und den Motorwagen von Carl Benz bewundern können. Für uns ist das VRlab aber auch eine große Spielwiese, eine Experimentierfläche, auf der wir neue VR- und AR-Technologien ausprobieren oder auf die wir Gäste einladen können.

Eine der größten Herausforderungen im Einsatz von VR und AR ist die rasante Weiterentwicklung der Technologie. Wir haben gerade erst damit begonnen herauszufinden, wie man diese Technologien nutzen kann, um Museumsobjekte spannend und lehrreich vermitteln zu können. Und viel zu oft noch bleiben wir stecken im eigenen Tunnelblick, gestalten virtuell genauso wie wir es auch analog tun würden. So richtig spannend wird es aber eigentlich erst dann, wenn man alte Wege verlässt, die Grenzen des bekannten sprengt und neue Welten betritt. Und genau hierfür ist es notwendig, einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu werfen.

Im Gespräch: gegenseitiges Profitieren

Wir haben deshalb schon früh damit begonnen uns auch außerhalb der Museumswelt umzuschauen. Im letzten Jahr habe ich mich zum Beispiel bei den Virtual Worlds umgeschaut, welche zeitgleich mit dem Münchner Filmfest stattfanden und neue Produktionen in VR auszeichnen.

Im Gespräch mit ProduzentInnen, EntwicklerInnen und KünstlerInnen stellte ich fest, wie groß das Interesse war und ist unsere VRlab Fläche zu bespielen, um ein großes Publikum zu erreichen, um zu prüfen, welche Szenarien gut ankommen und welche nicht und um von uns und unseren Erfahrungen mit bis zu 2.000 BesucherInnen pro Monat zu lernen.

Gastprojekte und Zusammenarbeit mit Universitäten

Aber auch wir profitieren davon. Mit jedem neuen Gastprojekt gewinnen wir neue Einblicke in Betriebsmodelle, Usability und kreative Wege des digital Storytelling. Erst Anfang März startete ein genau solches Gastprojekt. Die XR-Installation GNOTHI SEAUTON (Erkenne Dich selbst) des Künstlerkollektivs GNOTHIS lädt ein zur Auseinandersetzung mit dem digitalen Selbst. Aufgrund der aktuellen Situation werden BesucherInnen zwar erst nach Wiedereröffnung des Museums in dieses immersive Orakel eintauchen können. Die Frage nach dem digitalen Selbst allerdings ist aktueller denn je.

XR-Installation GNOTHI SEAUTON (Erkenne Dich selbst)
XR-Installation GNOTHI SEAUTON (Erkenne Dich selbst), Foto: Deutsches Museum München, CC BY 4.0

Wenn es darum geht, digital Storytelling in AR oder VR an unseren eigenen Museumsobjekten zu testen, setzen wir auf die enge Zusammenarbeit mit Universitäten. In diversen Abschlussarbeiten und Seminarprojekten wurden AR-Anwendungen mit transparenten Screens oder Gamification-Elementen ebenso getestet, wie VR-Anwendungen mit Multiplayer-Szenarien oder haptischem Feedback. In der engen Begleitung der Arbeiten gewinnen wir Einblicke in technische Möglichkeiten und neue Vermittlungsformate.

Gerade erst ging ein Praktikumsseminar der Arbeitsgruppe Medieninformatik an der LMU zu Ende, das wir als Praxispartner begleiten durften. In vier Studierendengruppen wurden VR- und AR-Prototypen für unsere Ausstellungsobjekte entworfen. Besonders interessant für uns war die Herangehensweise der Studierenden. Während wir oft nur an einzelne Objekte oder Ausstellungsinhalte denken, versuchten die Studierenden Zusammenhänge zwischen Ausstellungsinhalten virtuell herzustellen – inhaltlich, historisch und wissenschaftlich. Wie zum Beispiel beeinflussten neue technologische Errungenschaften gesellschaftliche Entwicklungen.

Alle vier Projekte sollen nach Wiedereröffnung des Museums mit BesucherInnen getestet werden, einzelne Projekte sollen im Rahmen von Praktika oder Abschlussarbeiten weiterentwickelt und dauerhaft im Museum gezeigt werden. Ich freue mich darauf und kann auch andere Einrichtungen nur dazu ermutigen öfter mal über den Tellerrand zu schauen und sich inspirieren zu lassen – vielleicht ja auch gerade jetzt.

Ein Beitrag von: Andrea Geipel

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