20. Januar 2021
Entwickeln, Verbundarbeit, Wissenstransfer

24 Hektar Museumspark

1 Projekt – 1.000 (digitale) Möglichkeiten

Ausblick
Blick vom rund vierzig Meter hohen Turm des Museumsgebäudes, Foto: museum4punkt0, CC BY 4.0

Seit über 30 Jahren wird in Kalkriese archäologisch geforscht. Mehr als 7.000 römische Funde und zahlreiche Hinweise auf Gefechte zwischen Römern und Germanen deuten auf Kalkriese als Ort der Varusschlacht hin. Informationen zum Kampfgeschehen vor 2.000 Jahren und zu den aktuellen Forschungserbnissen liefert die Dauerausstellung zur Varusschlacht. Der Museumspark mit seinen 24 Hektar ist bewusst als offener Denk- und Assoziationsraum gestaltet. Das Außengelände ist zur Hälfte dicht bewaldet, die einstige Gefechtszone wird als offene Wiesenlandschaft von Bäumen umrahmt. Sie präsentiert sich dem Betrachter als weite leere Fläche. Nur wenige Hinweise zeigen, was sich hier vor 2.000 Jahren abgespielt haben könnte. Und, das sei an dieser Stelle auch gesagt: Wir können viele Fragen nicht beantworten. Auch nach 30 Jahren lassen sich nur Eckpunkte benennen, Details liefern Hinweise auf unterschiedliche Szenarien.

Doch wie können wir BesucherInnen die Erkenntnisse aus unseren Forschungen nahebringen? Eine große Herausforderung, denn zu sehen ist, wie schon erwähnt, nichts. Die „Geschichte“ liegt im Boden und nach einer Ausgrabung auch nicht einmal mehr dort. Funde wandern ins Magazin oder Museum, Beobachtung und Erkenntnisse in Ausstellungen und Bücher. Über die einstigen Ausgrabungsareale wächst wieder Gras und nichts lässt erahnen, was hier oder dort gefunden wurde. Wie können wir also zeigen, wie ein Fund interpretiert wird? Wie das Zusammenspiel von Fund und Befund uns zu einer Rekonstruktion von Ereignissen bringt? Und wie können wir die dynamischen und mitunter komplexen Prozesse in der Forschung darstellen?

Eins war uns dabei immer klar: Wir wollen unseren Park nicht mit mehr Text und Information überfrachten oder gar „zu möblieren“.

Als Partner im Verbundprojekt museum4punkt0 können wir jetzt neue Wege beschreiten. Wie? Mit digitalen Medien in einem Außenraum, der sich optimal für digitale Anwendung eignet, gerade weil er so „leer“ ist. Im Kopf haben wir dabei ein Entdeckertool. Mit dessen Hilfe könnte aus der Landschaft und dem hierin eingebetteten Forschungsareal ein überraschender Erlebnisraum werden. Die Forschung steht dabei im Mittelpunkt: Unsere Funde werden zu Zeitzeugen, Menschen aus der Vergangenheit begegnen den BesucherInnen als Zeitgeister und Experten aus der Gegenwart berichten. Dabei soll das digitale Entdeckertool als Detektor, Kompass, Fernrohr, Lupe, Zeitreisebrille durch den Park und die Forschungsgeschichte und -gegenwart führen. Es soll Perspektiven öffnen, Wissen vermitteln und es soll Spaß machen. Unsere BesucherInnen können dann Funde ausgraben, Ergebnisse interpretieren, die Landschaft vor 2.000 Jahren betrachten, Germanen beobachten, Römern begegnen, Ausgräber interviewen, Kontroversen verfolgen und vieles mehr – so der Plan.

Wie das digitale Entdeckertool aussieht, wissen wir noch nicht. Wir – das sind die Projekt- und Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks, der Projektkoordinator Tobias Paff, Frauke Hein und Caroline Flöring, zuständig für Presse und Marketing und der Museumspädagoge Ingo Petri – stehen noch ganz am Anfang und sondieren die gefühlt 1.000 Möglichkeiten. In den nächsten Wochen werden wir uns gemeinsam mit Digitalagenturen und Entwicklern auf unsere Entdeckungsreise begeben und in Workshops das digitale Entdeckertool für Kalkriese entwickeln. Unser Ziel ist es, im Verlauf dieses Jahres ein Produkt zu entwickeln, mit dem unsere BesucherInnen auf eine digitale Spurensuche im Park gehen können. Und, das freut uns besonders, wir machen uns nicht allein auf den Weg. Wir haben mit museum4punkt0 einen starken Verbund an unserer Seite. Wir können von anderen lernen, uns austauschen und uns gemeinsam auf den Weg in die (digitale) Zukunft machen. Und wir möchten mit diesem Projekt die digitale Strategie für unser Museum festigen, ausbauen und Neuland beschreiten – darauf freuen wir uns und starten frohen Mutes in das Neue Jahr. Denn wie sagte schon Wolfgang von Goethe: „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an – und handelt.“

Ein Beitrag von: Heidrun Derks und Caroline Flöring

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