22. Januar 2021
Teilen, Vermittlungskonzepte, Wissenstransfer

Berliner Drehorte smart entdecken

Berlin zwischen Schauplatz und Ausstellungsraum erlebbar machen

Unorthodox
Unorthodox (Maria Schrader, 2020), Foto: Anika Molnar/Netflix, CC BY 4.0

Berlin ist immer in Bewegung, verheißungsvoll für die Einen, aber auch gefährlich für Andere, die hier vielleicht unter die Räder geraten. 1927 nimmt der Kameramann Robert Baberske die erste Ampelanlage Deutschlands für den avantgardistischen Dokumentarfilm ›Berlin – Die Sinfonie der Großstadt‹ in den Blick. Er fängt den mehrspurigen Verkehr am Potsdamer Platz in schrägen Perspektiven ein. Fast 100 Jahre später folgt der Kameramann Wolfgang Thaler der jungen Heldin Esther Shapiro (Shira Haas) in der Mini-Serie ›Unorthodox‹, vom Brandenburger Tor bis zum Potsdamer Platz. Die junge Frau erblickt die Lichter der Großstadt mit neugierigen Augen und weiß nicht genau, welche Möglichkeiten und Chancen ihr Berlin bringen wird. Die Kamera folgt ihr in eine neue Welt und ein neues Leben.

Die Faszination der Metropole Berlin ist seit über hundert Jahren durch Film- und Fernsehbilder maßgeblich befördert worden. Berlin ist am Puls des deutschen und internationalen Films – und zugleich das Zuhause der Deutschen Kinemathek, Museum für Film und Fernsehen. Oft war die Stadt Schauplatz für außergewöhnliche und wegweisende Filmproduktionen – von Walter Ruttmanns ›Berlin – Die Sinfonie der Großstadt‹ (1927) über Billy Wilders ›Eins, zwei, drei‹ (1961) oder Wim Wenders’ ›Himmel über Berlin‹ (1987) bis zu Tom Tykwers ›Lola rennt‹ (1998) –, die durch Exponate in der ständigen Ausstellung der Kinemathek reflektiert werden. Auch aktuell ist die Stadt in zahlreichen Film- und Serienproduktionen präsent – wie in der Erfolgsserie ›Babylon Berlin‹ (seit 2017), in Maria Schraders eben beschriebenem ›Unorthodox‹ oder Burhan Qurbanis ›Berlin Alexanderplatz‹ (beide 2020), zu denen das Archiv der Kinemathek Materialien bereithält. Wie können diese Schauplätze neu entdeckt und Filmgeschichte erlebbar gemacht werden? Was wäre, wenn eine Verbindung zwischen dem Ausstellungsraum und den Drehorten, die teils nur wenige Schritte vom Museum entfernt sind, hergestellt werden könnte?

Sinfonie der Großstadt
Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (Walter Ruttmann, 1927),
Deutsche Kinemathek, CC BY 4.0

Wir wollen eine multimediale Anwendung entwickeln, die zur Stadterkundung aus filmischer Sicht einlädt, die die Locations neu erschließt und ihren Höhepunkt im Besuch der ständigen Ausstellung der Deutschen Kinemathek findet. Durch die spielerische Anwendung mit Features wie Augmented Reality oder einer Filterfunktion für »historische« Kameraaufnahmen wird das eigene Smartphone zum Türöffner zu einer Fülle von Objekten, die das Museum in seiner Sammlung beherbergt: Die kleine Kinamo-Handkamera aus ›Berlin – Die Sinfonie der Großstadt‹ oder eine der wenigen weltweit erhaltenen Technicolor-Kameras gehören ebenso dazu wie Filmskripte, Kostüme, Architekturskizzen, Fotos sowie ein umfangreiches Film- und Fernseharchiv. Wir möchten Geschichten mit Orten verbinden und verdeutlichen, welchen Einfluss die Filmästhetik auf die Art und Weise hat, wie wir die Welt sehen und begreifen.

Medienkompetenz anschaulich vermitteln und dabei die Bedürfnisse der NutzerInnen in den Mittelpunkt stellen, das bildet den Ausgangspunkt unseres Projektes. Zu diesem Zweck haben wir ein interdisziplinäres Team gebildet, mit dem wir uns nicht nur auf eine Reise in die Zukunft der digitalen Wissensvermittlung begeben, sondern auch methodisch mit Design Thinking und agilem Projektmanagement neue Wege gehen, um die Sammlung des Museums einem breiteren, jüngeren Publikum bis zur Generation Alpha zugänglich zu machen. Am Ende soll eine Anwendung stehen, die als Open Source Software entwickelt wird und deren Prinzip und Technologie von anderen Häusern genutzt werden kann. Neben der Technologie stellt die Kinemathek dem Verbund außerdem den gesamten Erkenntnisgewinn des Entwicklungsprozesses zur Verfügung.

Ein Beitrag von: Inga Hallsson, Kristina Jaspers und Vera Thomas

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