28. Mrz 2019

Zwischen Vermittlungskonzepten und Dokumentation

Zweieinhalb Tage volles Programm: Vom 20.-22.3.2019 trafen sich Mitglieder aus allen Projektteams von museum4punkt0 – nach Stationen in Berlin, Görlitz, Schleswig, Bremerhaven waren wir diesmal in München am Deutschen Museum zu Gast. Auf unserem jüngsten Verbundtreffen ging es dort um Virtual Reality und die Frage, auf welchen Wegen wir unsere Ergebnisse später zur Verfügung stellen.

Fast in voller Besetzung: Vertreter der Projektteams auf dem museum4punkt0-Verbundtreffen in München.

Fast in voller Besetzung: Vertreter der Projektteams auf dem museum4punkt0-Verbundtreffen in München. Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz (CC BY 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

Werkstattgespräche

Auch das erste Verbundtreffen des Jahres nutzten wir wieder dazu, uns die neuesten Arbeitsstände unserer digitalen Prototypen gegenseitig vorzustellen. Nach Monaten des Entwickelns und Testens fielen die Gesprächsthemen entsprechend handfest aus: Erfahrungen mit technischen Aspekten – etwa mit verschiedenen Arten der intuitiven Navigation in Apps – wurden dabei ebenso ausgetauscht, wie mit Sicherheits- und Hygienevorkehrungen bei VR-Installationen. Einige dieser Themen werden wir in den kommenden Monaten in diesem Blog nochmals detaillierter aufgreifen.

Auf dem Verbundtreffen: Prototyp des Fasnachtsmuseums: Synchronisierte Geräte werten Eingaben aus und reagieren mit unterschiedlichen Informationsarten.

Prototyp des Fasnachtsmuseums: BesucherInnen-Eingaben werden geräteübergreifend ausgewertet und je nach Station mit unterschiedlichen Medien beantwortet. Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / S. Faulstich (CC BY 4.0)

Passt das Konzept? Im Gespräch über Ansätze zur Visualisierung von Forschung.

Passt das Konzept? Im Gespräch über Ansätze zur Visualisierung von Forschungsaktivitäten. Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / S. Faulstich (CC BY 4.0)

Im Fokus: Erfahrungen mit der Betreuung von Virtual Reality-Angeboten

Passend zum Setting unseres Treffens im Deutschen Museum erhielten wir darüber hinaus Gelegenheit, uns im Detail mit den Ansätzen des dortigen VRlabs zu beschäftigen. Seit August 2018 steht dieses Testsetting den BesucherInnen des Museums zur Verfügung – etwa für eine virtuelle Tour über den Mond oder einen Blick in den Dampfkreislauf der Sulzer Dampfmaschine. Ausgestattet mit zwei VR-Flächen und einem VR-Fahrsimulator ist es zugleich ein Versuchslabor: Es dient dem museum4punkt0-Projektteam in München dazu, verschiedene Vermittlungskonzepte und Betreuungsszenarien im laufenden Betrieb auszuprobieren.

Virtuelle Mondfahrt im Lunar-Rover-Simulator im VRlab des Deutschen Museums.

Virtuelle Mondfahrt im Lunar-Rover-Simulator im VRlab des Deutschen Museums. Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / S. Faulstich (CC BY 4.0)

Mehr Bewegungsfreiheit im Raum – andere Betreuungsarten.

Mehr Bewegungsfreiheit im Raum – andere Betreuungsarten. Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / S. Faulstich (CC BY 4.0)

So fungierten die Projektteams dann auch als Versuchspersonen zu Fragen der Betreuung: Ausgestattet mit Beobachtungsbögen untersuchten wir, wie unsere TeamkollegInnen während ihrer virtuellen Tour mit dem Personal interagieren. Virtual Reality-Brillen ermöglichen NutzerInnen ein Eintauchen in eine neue Umgebung. Gleichzeitig schirmen sie den Blick von der realen Umwelt ab. Viele BesucherInnen erlernen zudem die Modi der Navigation in VR erstmals während der Nutzung. Aus diesem Grund vollführt die Betreuung einen Balanceakt: Sie muss NutzerInnen verständlich an das Medium heranführen ohne dabei das immersive Erlebnis zu oft zu stören.

Beobachtungsbögen zur Interaktion von Virtual Reality-NutzerInnen und BetreuerInnen

Beobachtungsbögen zur Interaktion von NutzerInnen und BetreuerInnen, Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / S. Faulstich (CC BY 4.0)

Betreeung von Virtual Reality-NutzerIn

Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz / S. Faulstich (CC BY 4.0)

Vom ersten Vertrautwerden mit der Hardware, über die Terminologie für Bedienfelder und Menüs in der VR hin zu Spontanfragen zu gezeigten Inhalten: Bereits die Beobachtung des Nutzungsverhaltens im Team zeigte auf, an welchen Punkten einer Tour Betreuungsbedarf auftrat, wann NutzerInnen eine interpersonelle Interaktion mit Museumspersonal gegenüber digitalen Hilfestellungen präferierten und welche Anweisungen oder auch Menübezeichnungen im System Probleme bereiteten.

Input von außen

Ergänzend zu unserem projektinternen Erfahrungsaustausch hatten wir auch Gelegenheit, Impulse von Institutionen außerhalb von museum4punkt zu erhalten: So skizzierten unsere museum4punkt0-Volontärinnen das Stimmungsbild zum digitalen Wandel in Museen, das sie auf der diesjährigen Bundesvolontärstagung beobachten konnten. Die Bedeutung digitaler Kommunikation für Kulturinstitutionen unterstreichend, stellte Barbara Wolf den Maßnahmen-Mix und Online-Kanäle des Deutschen Historischen Museums vor. Dr. Ruth Rosenberger blickte auf die digitale Praxis und Dienste der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Und mit dem Vortrag von Dr. Lorenz Kampschulte zu den Komponenten der umfassenden Besucherforschung am Deutschen Museum schloss sich schließlich thematisch wieder der Kreis zu unserer Session im VRlab.

Wie katalogisiert man eigentlich Virtual Reality?

In museum4punkt0 entstehen zahlreiche unterschiedliche Ergebnistypen: Apps, Web- und VR-Anwendungen sowie im Projekt gefertigte Digitalisate und 3D-Modelle auf der einen Seite und Studien, Erfahrungsberichte, Leitfäden und Toolkits auf der anderen. All diese Ergebnisse wollen wir auch für andere Institutionen möglichst direkt im Web bündeln und in gut etablierten Repositorien hinterlegt auch langfristig zugänglich machen. Dabei stellten sich für uns im Verlauf der vergangenen Monate zahlreiche Fragen: Wie zeichnen wir diese heterogenen Ergebnistypen sinnvoll aus, um einen zentralen Zugang zu ermöglichen? Wie granular müssen die bereitgestellten Informationen und technischen Nachweise sein, um für Externe nutzbar zu werden?

In einem mehrstündigen World Café adressierten wir bisher erarbeitete Lösungsansätze für diese Fragen und verfeinerten anhand von Fallbeispielen unser Dokumentationskonzept. So entwickelt das Team der zentralen wissenschaftlichen Projektsteuerung beispielsweise einen Katalog aller im Projekt erprobten Vermittlungskonzepte und der zugehörigen digitalen Anwendungen. Als zentrales Recherchetool dient er explizit nicht der bloßen Aggregation von projektrelevanten Objekten. Stattdessen verstehen wir ihn als Nachweis der entwickelten Prototypen und der Erkenntnisse aus dem Entwicklungsprozess: Um das Wissen rund um die Konzeption und Umsetzung dieser Angebote ebenfalls strukturiert zugänglich zu machen, soll der Katalog auch die eingesetzten Methoden und technischen Hilfsmittel für Außenstehende verständlich dokumentieren. Ziel ist es, anderen Museen Anregungen und Erfahrungswerte für ihre eigenen digitalen Vorhaben zur Verfügung zu stellen. Welche Aspekte müssen detailliert in einem solchen Katalog adressiert werden? Welche Phasen des Entwicklungsprozesses sind in einem anderen Publikationsformat besser aufgehoben? Im World Café legten wir mit Fragen zum Katalog und weiteren Formaten der Dokumentation unseren bisherigen Ansatz auf den Prüfstein. (Hierzu demnächst an dieser Stelle mehr).

Sie haben Fragen oder Anregungen zu unserer Projektdokumentation? Wir freuen uns über einen Kommentar hier im Blog oder direkt per Mail.

Beitrag von: Silvia Faulstich

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