Planung, Entwicklung und Implementierung von VR-Stationen in der Dauerausstellung des Fastnachtsmuseum Narrenschopf

VR-Station in Kuppel 3
VR-Station in Kuppel 3, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Überblick

Im Rahmen des bundesweiten Projektes museum4punkt0 wurden im Fastnachtsmuseum Narrenschopf 360-Grad-Filme von Fastnachts-Bräuchen erstellt, die im Museum in Bad Dürrheim und (ebenso) an verschiedenen Orten in der Dauerausstellung für die Museumsbesucher mittels einer VR-Brille vom Typ »Oculus Go« rezipierbar sein sollen. Durch die dünne Personaldecke und den damit verbundenen Kosten muss eine Lösung gefunden werden, möglichst autonom bedienbare VR-Stationen zu entwickeln. Die Besucher*innen sollen somit selbstständig die VR-Brillen an der VR-Station bedienen können. Um die Hygiene, die Sicherung, eine dauerhafte Stromversorgung und die Handhabung garantieren zu können, muss die VR-Station mit den VR-Brillen darauf ausgerichtet werden. Hierfür wurde ein Konzept erstellt, das mit verschiedenen Anbietern umgesetzt wurde.

Bibliographische Angaben

Institution
Museen der Schwäbisch-alemannischen Fastnacht
Teilprojekt
Kulturgut Fastnacht digital
Autor*innen
Artur Fuss, Jan Brunnenkant
Veröffentlicht
30.09.2022
Lizenz der Publikation
CC BY-ND 4.0
Kontakt
Ilka Diener
Fastnachtsmuseum Narrenschopf, Bad Dürrheim
info@narrenschopf.de

Entwicklung

Das Ziel ist es, den Besucher*innen die Fastnacht in Form von immersiven 360-Grad-Filmen in der Dauerausstellung erfahrbar zu machen. Um die VR-Brillen in die Dauerausstellung zu integrieren, sind außer der Bedienung der Anwendung noch weitere Schritte notwendig. Hierfür ist folgendes Konzept entstanden.

Inhaltliches Konzept

Zahlreiche Fastnachtsbräuche der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht wurden in 360°-Filmen festgehalten. Die Präsentation dieser Filme im Museum erfolgt über VR-Brillen, um den Besucher*innen auch während des ganzen Jahres ein möglichst realistisches Erleben der immateriellen Bräuche, die in der Realität zeitlich und räumlich nur begrenzt erlebbar sind, zu ermöglichen. Thematisch werden die mit Filmen bestückten Brillen der jeweiligen Ausstellungsumgebung zugeordnet. So werden etwa die Handwerkerfilme in der Werkstattausstellung gezeigt, die Straßenumzüge werden in der Mitte der figürlich ausgestellten Straßenfastnacht präsentiert. Somit ist der Übergang von der Ausstellung mit den statischen Objekten hin zur lebendigen, immersiv erlebbaren Fastnacht fließend und ermöglicht eine ganzheitliche, mit mehreren Sinnen wahrnehmbare Erfahrung.

Technisches Konzept

Fragestellungen zur Entwicklung des Einsatzkonzeptes: Zu unterschiedlichen Themenblöcken stellen sich verschiedene Fragestellungen im Vorfeld des geplanten Einsatzes von VR-Brillen.

1. Ausstellungsplatz:

  • Wo sollen die VR-Brillen mit welchen Inhalten in die Ausstellung integriert werden?
  • Wie und worauf werden die VR-Brillen dem Besucher präsentiert?
  • Sollen Sitzmöglichkeiten für Besucher*innen und Nutzer*innen der Brille geschaffen werden?
  • Wie kann das technisch-benötigte Equipment in den Ausstellungsplatz integriert werden?
  • Müssen extra Daten- und/oder Stromzuleitungen verlegt werden?
  • Wie viele Brillen sollen für die jeweiligen Ausstellungsbereiche beschafft werden (unter Beachtung von Besuchergruppen)?

2. Diebstahlsicherung:

  • Wie können die VR-Brillen gegen Diebstahl und Vandalismus gesichert werden, ohne die Bewegungsfreiheit der Nutzenden einzuschränken?
  • Wie kann (möglichst ohne) eine Direktverbindung (Kabel, Draht) verhindert werden, dass die Brillen innerhalb des Museums zu anderen Ausstellungsbereichen mitgenommen werden?

3. Stromversorgung:

  • Wie kann die VR-Brille dauerhaft geladen werden, so dass zu jederzeit eine Nutzung ermöglicht werden kann? (Akkulaufzeit bei Nutzung: 2- 2,5 Stunden)
  • Wie kann eine Stromversorgung erfolgen, ohne durch ein Kabel die Bewegungsfreiheit der Nutzenden einzuschränken?
  • Wie kann verhindert werden, dass Besucher*innen die Lademöglichkeit entfernen?

4. Fernbedienung und Standardfunktionen der »Oculus Go«:

  • Wie kann verhindert werden, dass mittels der Fernbedienung andere als die gewünschten Funktionen der VR-Brille genutzt werden können?
  • Ist es möglich, die »Oculus Go« ohne Fernbedienung zu kalibrieren und zu nutzen?
  • Können/müssen manche Funktionen der Fernbedienung ersetzt/deaktiviert werden?

5. Anwendung/Menü für die 360°-Videos:

  • Wie kann eine Anwendung auf die »Oculus Go« gespielt werden, so dass diese automatisch und in einer Schleife abgespielt wird?
  • Wie kann den Besucher*innen der Einstieg zu den VR-Videos so vereinfacht werden, dass diese zur Navigation und zum Starten keinerlei Hilfe durch Museumsmitarbeiter*innen benötigen?
  • Wie kann ein Menü intuitiv gestalten werden, damit eine Erklärung zum Umgang vermieden werden kann?
  • Wie kann man die Ausstellung in das Menü aufnehmen, um einen engen Bezug zwischen den virtuellen Elementen und der Dauerausstellung herzustellen?

6. Hygiene der VR-Brillen:

  • Wie können die VR-Brillen sauber und hygienisch gehalten werden?
  • Wie kann verhindert werden, dass durch die VR-Brillen Infektionskrankheiten übertragen werden?
  • Wie hoch ist der Personalaufwand für die Reinigung der Brillen und wie oft müssen diese gereinigt werden?
  • Welche zusätzlichen Mittel (Desinfektionsspray, Einmal-VR-Masken, etc.) müssen zur Reinigung beschafft werden?

7. Kosten der VR-Stationen:

  • Welche Kosten müssen pro VR-Station veranschlagt werden?
  • In welcher Höhe müssen Betriebskosten berücksichtigt werden?

Konzeptideen: Ausgehend von den vorangehenden Fragen und der aktuellen Situation der Dauerausstellung im Fastnachtsmuseum Narrenschopf in Bad Dürrheim wurden vorab folgende Überlegungen für den Einsatz der VR-Brillen in den Räumen des Museums entwickelt:

Wahl der Einsatzorte

VR-Station: Die VR-Brillen sollen mit 360-Grad-Inhalten bespielt werden, die im jeweiligen Ausstellungskontext stehen. Die Ausstellungsfläche bot ausreichend Platz, um VR-Stationen zu integrieren. Die VR-Stationen sollten an drei verschiedenen Standorten im Museum aufgestellt werden. Auf jeder Station werden je drei VR-Brillen mit Ladestation und Sicherung sowie ein Tablet/Monitor befestigt.

VR-Station 1 in Kuppel 1: In Kuppel 1 soll in der Nähe des Eingangsbereichs eine VR-Station stehen. Auf den dortigen VR-Brillen werden vor allem Filme gezeigt, die keine direkte Zuordnung zu einer örtlich gebundenen bzw. lokal-singulären Straßenfastnacht erlauben und keine Handwerksfilme sind.

Bauplan Kuppel 1 mit Einzeichnung von VR-Station
Bauplan Kuppel 1 mit Einzeichnung von VR-Station, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY-NC-ND

VR-Station 2 in Kuppel 2: Die zweite VR-Station ist in der zweiten Kuppel des Museums aufgebaut. Durch den Standort neben einer Holz-Werkbank mit Holzmasken und deren Fertigungsschritten wurde auch die Station in Holzoptik mit passenden Werkstattstühlen umgesetzt. Dort werden Handwerkervideos von Maskenschnitzern, Glockenmachern, Häsmalern etc. gezeigt. Aus Platzgründen wurden nur zwei VR-Brillen und ein Monitor mit Inhalt angeboten. Diese Station unterscheidet sich optisch sehr von den beiden anderen.

Bauplan Kuppel 2 mit Einzeichnung von VR-Station
Bauplan Kuppel 2 mit Einzeichnung von VR-Station, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY-NC-ND

VR-Station 3 in Kuppel 3: Diese Station befindet in der Mitte der „Kuppel 3“. An dieser Station werden lokale Straßenfastnachten gezeigt, welche durch eine verortete Fastnachtsfigur präsentiert werden können.

Da diese Kuppel oft für Veranstaltungen genutzt wird, bestand die Herausforderung darin, die dritte Station mobil zu machen. Aus diesem Grund wurden am Sockel des Tisches Räder montiert, durch die es mit wenig Kraftaufwand möglich ist, die Station zu verschieben.

Bauplan Kuppel 3 mit Einzeichnung von VR-Station
Bauplan Kuppel 3 mit Einzeichnung von VR-Station, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY-NC-ND
VR-Station der Kuppel 3 mit Rädern zur schnellen Verschiebung bei Veranstaltungen
VR-Station der Kuppel 3 mit Rädern zur schnellen Verschiebung bei Veranstaltungen, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Die Geräte stehen den Museumsbesucher*innen jederzeit zur freien Verfügung. Damit die Gäste sich während der VR-Session setzen können, haben wir um die Stationen herum Drehstühle angebracht. Die angedachten Tablets/Monitore auf den Stationen sollten den Besucher*innen einen kurzen Einblick, in das was sie erwartet, gewähren. In den ersten Planungsphasen war eine Live-Übertragung (Stream) der mittleren Brille auf das Tablet/Monitor gedacht. Dadurch sollte ein Gruppenerlebnis geschaffen werden, was den Gruppen oder wartenden Gästen mit dem Konsumenten über das gerade Gesehene sprechen lassen zu können. Leider zeigte sich, dass ein Live-Stream keine ausreichende Qualität lieferte. Stattdessen wurde mithilfe eines Mini-Computers (Bright Sign) ein Erklärvideo mit Einblicken in die Brillen in Dauerschleife abgespielt. Dadurch sollten Besucher*innen vorab einen kurzen Einblick bekommen, was sie erwartet und gleichzeitig die technische Hürden verringert werden.

Planung einer VR-Station Draufsicht
Planung einer VR-Station, Draufsicht, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Stromzufuhr: Die VR-Station müssen mit einer Stromzufuhr ausgestattet werden, welche mindestens fünf Steckdosen besitzt (drei für die VR-Brillen, eine für Tablet/Monitor und eine für den PC). Wichtig ist dabei eine ausreichende Leistung der Netzteile, um die Brillen stets mit optimaler Geschwindigkeit zu laden.

Ladestation: Die Lademöglichkeit soll auf die Oberseite des Tisches integriert werden und fest verankert sein, damit die Gefahren durch Diebstahl, Verschiebung oder mutwilliger Zerstörung minimiert werden. Die Auflage soll eindeutig sein, um das Ablegen der VR-Brille problemlos zu ermöglichen. 

VR-Hygiene-Masken: Um Infektionen und starke Verunreinigungen vorzubeugen, müssen verschiedene Hygiene Maßnahmen vorgenommen werden. Eine davon ist der Einsatz von Hygienemasken, die vor dem Nutzen der VR-Brillen aufgesetzt werden. Jedem Museumsbesucher werden zu Beginn ihres Besuchs Hygienemasken vom Kassenpersonal mitgegeben. Da VR-Hygienemasken Einweg-Produkte sind und nach Gebrauch entsorgt werden müssen, wurde an jeder Station ein Mülleimer integriert.

Sitzmöglichkeit: Die Nutzung von VR-Anwendungen führt bei manchen Menschen zu Schwindel und/oder Gleichgewichtsprobleme. Um präventiv Unfälle zu vermeiden, werden deshalb Sitzmöglichkeiten angeboten. Da die gezeigten 360-Grad-Filme von fixierten Positionen gefilmt wurden, ist der Einsatz von Drehstühlen besonders geeignet. Durch die Möglichkeit der Drehung soll der Rezipient animiert werden, diese Form der Bewegung zu nutzen.

Die Wahl fiel auf einen sehr robusten und pflegeleichten Drehstuhl, der für Messen ausgelegt ist. Mit einem Preis von ca. 350 € pro Stück waren sie in der Anschaffung allerdings sehr teuer, was sich durch die herausragende Qualität aber rechtfertigte.

Teppich: Als Schmutzfang und haptische Schwelle dient wurde um jede Station herum ein grauer, robuster und pflegeleichter Teppich wurde verlegt. Besucher*innen, die komplett in die VR-Welt eintauchen und sich mit aufgesetzter Brille bewegen, spüren auf diese Weise, wenn sie sich zu weit von der Station wegbewegen.

Teppich als haptische Schwelle unter VR-Stationen für Besucher, die mit aufgestetzer Brille laufen
Teppich als haptische Schwelle unter VR-Stationen für Besucher*innen, die mit aufgesetzer Brille laufen, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Diebstahlsicherung: Die Brillen sollen für alle Museumsbesucher*innen betreuungsfrei zugänglich gemacht werden. Aufgrund der teuren und neuen Technik müssen daher Diebstahlsicherungen angebracht werden. Im Folgenden werden für diesen Zweck denkbare Sicherheitsvorkehrungen vorgestellt. Diese werden vor allem in Bezug auf die uneingeschränkte Nutzbarkeit der ausgestellten Geräte geprüft.

ProduktEinzelpreisStückGesamtpreis
Sicherung mit Kabel19,00 € – 50,00 €357,00 € – 150,00 €

Vorteile: Die Vorteile bei den kabelgebundenen Sicherungsanlagen liegen vor allem im vergleichbar günstigen Preis. Eine gleichzeitige Stromversorgung ist bei manchen der Sicherungen auch gegeben, wobei diese allerdings im Preis etwas ansteigen.

Nachteile: Bei einer Sicherung für eine VR-Brille ist der Nachteil insbesondere das Kabel. Die 360-Grad Umsicht, sowie die Freiheit sich zu bewegen, wird dadurch eingeschränkt. Es gibt zurzeit keine spezielle Lösung für VR-Brillen, die mit einem nicht störenden Kabel funktionieren.

ProduktEinzelpreisStückGesamtpreis
Kabellose Sicherung (S3000)260 € – 350 €3780 € – 1050 €

Vorteil: Das Produkt von der Firma InVue war 2018 das führende Unternehmen bei der kabellosen Sicherung von VR-Brillen und Tablets. Die kabellose Sicherung bietet Bewegungsfreiheit und somit ein uneingeschränktes VR-Erlebnis. Ein weiterer Vorteil ist die gleichzeitige Stromversorgung, sobald die VR-Brille wieder zurück auf die Station gelegt wird.

Nachteil: Die kabellosen Sicherungen sind meist um mehr als das fünffache teurer als kabelgebundene Sicherungen.

Vorteil: Erkennt Wegnahme von Objekten und wertet diese aus. Das System kann auch gleichzeitig für andere Ausstellungsstücke verwendet werden und bietet außerdem einen direkten Beweis bei Zerstörung oder Diebstahl.

Nachteil: Die Installation und Verwaltung ist sehr teuer und aufwändig. Bei dieser Variante sind keine Möglichkeiten der gleichzeitigen Stromversorgung gegeben.

Preis: Nicht genau bestimmbar, da Sonderanfertigung nötig ist. So können die Kosten für eine VR-Station stark Variieren und im Bereich von 600 € bis 2500 € liegen.

Stromversorgung von VR-Brillen: Um ein Laden der VR-Brillen ohne Kabel zu ermöglichen, werden Induktionsladegeräte in Betracht gezogen.

Die Anforderungen an ein Ladegerät werden für die »Oculus Go« herstellerseitig mit 10W (5V 2A) über Micro-USB-Anschluss angegeben. Für die Induktionsladung wird eine Micro-USB Wireless Receiver und eine induktive Ladestation benötigt.

ProduktEinzelpreisStückGesamtpreis
Wireless Charger receiver8,00 € – 18,00 €324,00 € – 54,00 €
Wireless PowerPort20,00 € – 40,00 €360,00 € – 120,00 €

Bei Verwendung eines Wireless Chargers sollte dieser möglichst nicht leicht entfernbar an die „Oculus Go« angebracht werden. Hierfür bietet sich die Frontseite der „Oculus Go« an. Die VR-Brille muss nach der Nutzung wieder auf die Ladestation angebracht werden, damit sie dauerhaft geladen werden kann. Hierfür sollten Instruktionen an den Ausstellungsplatz oder direkt an die Brille angebracht werden. Das Kassenpersonal kann dies aber auch noch zusätzlich stichprobenartig prüfen.

Oculus Go mit aufgeklebter Sicherung und Gegenstück zur Ladestation
Oculus Go mit aufgeklebter Sicherung und Gegenstück zur Ladestation, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Sicherung und Stromzufuhr als gemeinsame Lösung:

Durch die Sicherungsmöglichkeit „S3000“ von der Firma „inVue“ ist eine gleichzeitige Stromzufuhr der Geräte gegeben. Hierbei wäre es auch ein Vorteil, dass kein Charger in die Brille integriert werden muss, welche man noch verblenden müsse (nähere Details siehe Nr. 2 „Diebstahlsicherung“). Die erste Umsetzung zeigte, dass diese Sicherung sich auf einen Maximalabstand von ca. 3 Metern einstellen lässt und somit ausreichend Bewegungsfreiraum ermöglicht. Zu beachten ist allerdings, dass sich dieser Mindestabend deutlich reduziert, sobald die Sicherung keine direkte Sicht – z.B. Wegdrehen zur Station – auf die Brille hat. Dadurch ist es möglich, dass die Brille einen Warnton von sich gibt, obwohl der User auf dem Stuhl sitzt.

ProduktEinzelpreisStückGesamtpreis
Kabellose Sicherung (S3000)260 € – 350 €3780 € – 1050 €

Fernbedienung und Standardfunktionen der »Oculus Go«: Die »Oculus Go« ist vor allem für den Heimgebrauch entwickelt worden und hat somit die Steuerung und die Funktionen auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Es ist somit notwendig, die voreingestellten Funktionen zu umgehen und gegebenenfalls umzuprogrammieren, damit eine problemlose Nutzung im Museumsdauerbetrieb ermöglicht werden kann.

Kalibrierung: Die Fernbedienung der »Oculus Go« wird standardmäßig mitgeliefert und ist für die anfängliche Kalibrierung der Brille notwendig. Dadurch, dass die Fernbedienung es sehr einfach ermöglicht, das Internetangebot von Oculus zu durchsuchen, sollte die Funktionalität für den geplanten Einsatz im Museum eingeschränkt werden. Des Weiteren ist eine Nutzung der Fernbedienung erfahrungsgemäß mit einer Einweisung verbunden, für welche ein personeller Aufwand entstehen würde – der vermieden werden soll.

Eine Kalibrierung der VR-Brille ohne den Home-Button zu betätigen ist aktuell bei der Software der »Oculus Go« nicht vorgesehen. Allerdings gibt es die Möglichkeit die Funktion des Home-Buttons umzuschreiben, damit die Besucher*innen weder versehentlich noch absichtlich in das Oculus-Menu gelangen. Allerdings ist die erste Kalibrierung zum Starten der Anwendung nur mit der Fernbedienung möglich.

Feste Standalone-App: Die Brille ist nach momentanem Stand leider nicht in einer Art Kiosk-Modus betreibbar. Somit ist eine einfache Etablierung einer Standalone-Software nicht möglich. Es gibt dennoch die Möglichkeit einer Umprogrammierung der Software, so dass eine selbst entwickelte App beim Start und nach dem Standby-Modus direkt startet. Auch der Home-Button ist dementsprechend umprogrammierbar, damit die App und nicht der Home-Bildschirm startet.

Anwendung/Menü für die 360°-Videos

Intuitives Menü: Das Menü durchlief mehrere Iterationen und wurde in Unity entwickelt. Es wurde ein universeller Raum mit 3D-Objekten geschaffen, in dem eine Galerie mit den entsprechenden Filmen dargestellt wird. Die Menüführung soll anstelle der Fernbedienung alleinig mit der Blickrichtung des Besuchers zu steuerbar sein.

Hilfestellungen in Form von kurzen Erklärungstexten und Videos werden integriert, um einen reibungslosen Umgang mit der VR-Umgebung zu gewährleisten. Die Anwendung wird nach einer gewissen Standby-Zeit automatisch wieder in die Ausgangssituation zurückgesetzt, damit alle Besucher*innen einen kontrollierten Ablauf rezipieren können.

Für die einzelnen VR-Stationen sind auch individuelle Menüs geplant, um den Besucher*innen stets neue Inhalte zu präsentieren und somit Abwechslung zu bieten. Diese hilfen auch bei der schnellen Erkennung von anderen Inhalten bei den unterschiedlichen Stationen.

Hygiene

Durch die Nutzung von verschiedenen Personen werden die Brillen schnell verunreinigt und bieten ein optimales Transportmittel für Bakterien und Keime. Um Infektionen und starke Verunreinigungen vorzubeugen, müssen verschiedene Hygiene Maßnahmen vorgenommen werden. Zur Umsetzung werden im Folgenden einzelne Möglichkeiten vorgestellt.

Hygienemasken: Als Präventivmaßnahme sollten hygienische Einweg-VR-Masken an den Ausstellungsplätzen zur Verfügung stehen.

ProduktEinzelpreisStückGesamtpreis
Hygiene Masken / Polstercover0,06€ – 0,60€15052,50 € – 90,00 €

Die Einweg-Hygiene-Masken sollten stets vorhanden sein und daher auch nach Projektende als Betriebskosten eingeplant werden.

Polsterung: Ergänzend zu VR-Hygienemasken bieten sich ebenfalls Polster für VR-Brillen an. Diese ermöglichen eine leichtere Reinigung und sind in verschiedenen Materialien erhältlich. Wie auch die Masken können bei starker Verschmutzung bzw. Abnutzung die Polster für ca. 20-30€ ersetzt werden.  

Riemen: Die von Oculus Go bereitgestellten Riemen zur Fixierung der Brille am Kopf sind zu Beginn ausreichend, sollten aber aufgrund von Abnutzung ebenso wie die Polster regelmäßig ausgetauscht werden. Der Preis pro Band beträgt zwischen 10-30€ und sollte bei dem Hygienekonzept mit bedacht werden.

Reinigung: Die Brillen sollten regelmäßig bzw. nach jeder Nutzung mit Desinfektionsmittel und Linsenreiniger gesäubert werden. Die zu verwendenden Reinigungsmittel hängen von den Polsterungen und Riemen ab.

Besonders zu beachten ist, dass die Linsen der »Oculus Go« nicht mit Reinigungsalkohol gereinigt werden dürfen. Mikrofasertücher sollten ebenfalls qualitativ hochwertig sein, um die Gläser nicht zu zerkratzen.

Bild: Bild30ReinigungsmittelTücher

Implementierung und Inbetriebnahme

Um das beschriebene Konzept erstmals kostengünstig zu testen, wurde eine Teststation angefertigt. Die Teststation wurde teilweise zu hausinternen Veranstaltungen aufgebaut und von den Besucher*innen getestet. Die Teststation wurde stets betreut, um bei Fragen helfen zu können, sowie Beobachtungen und Befragungen anhand von Fragebögen und Interviews durchzuführen.

Die Teststation wurde mit dem im Konzept beschriebenen Sicherungen der Firma „InVue“ bestückt. Somit konnte die Funktionsweise der Sicherungen im laufenden Betrieb getestet werden. Da die Stromzufuhr auch über die Sicherungen gegeben ist, konnte festgestellt werden, ob die Ladezeit im Vollbetrieb bei drei Brillen ausreicht. Mit der Teststation wurden somit viele wichtige Erfahrungen gesammelt, was zu einer Weiterentwicklung des Funktionsumfangs der VR-Stationen geführt hat.

Wir haben mit der Teststation auch den Umgang der Besucher*innen mit der Brille in Erfahrung bringen können. Diese Erfahrungen sind in eine kurze Benutzungserklärung, die an den VR-Stationen auf einem Bildschirm gezeigt werden, geflossen. Das fertige Video zum Umgang mit der VR-Station befindet sich im Anhang.

Mit dem beschriebenen Konzept haben wir uns 3 Angebote von Möbelherstellern geben lassen, die eine VR-Stationen mit den darin angegebenen Anforderungen konzipiert haben.

Frontansicht der ersten VR-Station, welche als Teststation verwendet wurde
Frontansicht der ersten VR-Station, welche als Teststation verwendet wurde, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Nachnutzung und Weiterentwicklung

Eine Nachnutzung der VR-Stationen ist durch das erstellte Konzept möglich. So können Teile daraus übernommen werden und die Ergebnisse auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Die verwendeten Produkte, die ihren Weg in unserer schlussendlich in Betrieb genommenen VR-Stationen gefunden haben, können als Referenz für ähnliche Projekte dienen. Die Videos zur Bedienung sowie das VR-Gaze-Menü mit Tutorial können in unserer Form übernommen werden oder als Konzept für eigene Videos dienen.

Besucherforschung und Usability Tests

Die Besucherforschung der VR-Stationen erfolgte durch einen Fragebogen, der in Interviews mit Besucher*innen ausgefüllt wurde. Die meisten Erkenntnisse konnten durch die Beobachtung während der Nutzung und durch direkte Interviews gewonnen werden.

Evaluierung

Aufgrund des Mangels einer großen und festen Testgruppe wurden nach den Tests die Ergebnisse aus den Interviews und den Beobachtungen immer direkt umgesetzt und entweder in das Menü oder in das Konzept der VR-Station eingearbeitet. Durch verschiedene Interviews und Beobachtungen konnten die Probleme erkannt und behoben werden.

Erfahrungen

Die Lade- und Sicherungsstationen der Firma „InVue“ eignen sich besonders für die Bedürfnisse des Museums. Diese bieten ausreichend Ladestrom um die Brillen bei normaler Auslastung während der Öffnungszeiten ausreichend für alle Besucher*innen zu laden. Die Sicherung bietet neben der Diebstahlsicherung den Vorteil, dass Besucher durch einen Warnton daran gehinderter werden sich mit den VR-Brillen zu weit von den Stationen zu entfernen.

Bedienung und Handhabung durch die Besucher*innen: Eine wichtige Erkenntnis wurde bei der Handhabung der VR-Brillen festgestellt. Hier zeigte sich schnell, dass viele Besucher*innen mit der standardisierten Bedienung Schwierigkeiten hatten und selbst mit Vorkenntnissen sich nicht eigenständig die Menüstruktur erschließen konnten. Die Menüführung musste somit weitestgehend beschränkt werden. Selbst die Möglichkeiten mit der mitgelieferten Fernbedienung war für die Besucherinnen in einer VR-Umgebung überfordernd. Somit musste auch diese Komponente entfernt werden. Damit das entwickelte VR-Gaze-Menü als einzige erreichbare Applikation gestartet werden konnte, musste auf eine Kiosk-Software zurückgegriffen werden.

Oculus Go: Da die Oculus Go zum Zeitpunkt der Entwicklung neu war und es kaum Dokumentationen zur Handhabung gab, wurde viel Zeit in die Recherche und Entwicklung investiert. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Möglichkeit, eine offizielle Kiosk-Software von Oculus zu installieren, weshalb auf einen Drittanbieter ausgewichen werden musste.

Trotz vieler Iterationsschleifen ist es nicht ausgeschlossen, dass das Menü bzw. die Oculus Go nach längerer Benutzung abstürzt. Ein einfacher Neustart der Brille reicht bereits aus, um diese wieder funktionsfähig zu machen.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Möglichkeit zur Nachbestellung von Zubehör. Ringe zur Befestigung des Innenfutters können nicht nachbestellt werden. Die einzige Möglichkeit wäre es, diese mit Hilfe eines 3D-Druckers zu erstellen.

Augenringe der Oculus Go, die nur schwer zu Ersetzen sind
Augenringe der Oculus Go, die nur schwer zu ersetzen sind, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Im Jahr 2022 wird die Oculous Go nicht mehr verkauft. Nach längerer Recherche für ein Nachfolgemodell sind wir auf die Pico-Brille aufmerksam geworden, die robust ist, eine gute Auflösung bietet und für den Einsatz im Museum geeignet ist. Ein bislang ungelöstes Problem ist, dass nur ein Film in der Brille angeschaut werden kann. Ein Menü die Filmauswahl, wie von uns in der Oculus Go installiert, existiert nicht.

Eine weitere Bewertung kann im Rahmen von museum4punkt0 aus Zeitgründen nicht mehr vorgenommen werden.

Oculus Go – Sensor und Hygienemasken: Tests mit der VR-Brille „Oculus Go“ und Hygienemasken (Farbe Schwarz) ergaben, dass sich die Brille während der Nutzung ausgeschalten bzw. in den Standby-Modus gewechselt hat. Grund dafür waren VR-Hygienemasken, die den eingebauten Sensor – der mit Infrarot prüft, ob die Brille getragen wird – der Oculus Go verdecken.

Handhabung und Nutzung der Besucher*innen, ohne Betreuungspersonal: Die Nutzung der Brillen und die Navigation durch das VR-Menü funktionierten bei vielen Besucher*innen mit der schlussendlichen Lösung problemlos. Leider wurde festgestellt, dass mit der Hardware sorglos umgegangen wird. So werden oft die Brillen nicht an die dafür vorgesehene Station zurückgelegt und können somit nicht geladen werden. Manche Besucher*innen entnehmen der Brille auch das Innenfutter, ohne dieses nach der Nutzung wieder anzubringen. Die Kopfhalterungen werden beim Tragen oft versehentlich aus der Halterung gerissen und nicht mehr angebracht.

VR-Station in Kuppel 2 mit zerlegten Brillen nach unbeaufsichtigtem Betrieb
VR-Station in Kuppel 2 mit zerlegten Brillen nach unbeaufsichtigtem Betrieb, Foto: Fastnachtsmuseum Narrenschopf / Artur Fuss, CC BY 4.0

Das Kassenpersonal wurde damit beauftragt, die Brillen regelmäßig zu kontrollieren und immer wieder in den Nullzustand zu bringen. Zur Hilfe und besseren Beobachtung mit dem Umgang der VR-Brillen wurden zudem Überwachungskameras installiert. Durch diese sieht man zum einen, wie die Besucher*innen mit den Brillen umgehen und zum anderen können mögliche Schäden oder falsches Aufsetzen der Brille direkt erkannt werden.

Die Hygienemasken werden zwar an der Kasse dem Besucher ausgehändigt, doch werden diese nicht immer wie verordnet benutzt. Da Personal bei Benutzung der Brillen nicht ständig dabei sein kann, ist auch ein direkter Eingriff nicht möglich. Letztendlich können nur Beobachtungen anhand der Überwachungskameras erfolgen, um nachvollziehen, wie Brillen gehandhabt werden. An jeder VR-Station wurde zusätzlich der Hinweis zur Nutzung einer VR-Maske hinzugefügt.

Die Brillen werden regelmäßig durch die Mitarbeiter*innen mit Feuchttüchern gereinigt.

Weitere Ergebnisse im Teilprojekt

Bild zum Ergebnis: Gesammelte Erfahrungen zu VR-Brillen
Digitale Vermittlungstools

Gesammelte Erfahrungen zu VR-Brillen

Museen der Schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Im Fastnachtsmuseum Narrenschopf wurden 360-Grad-Filme von Fastnachts-Bräuchen erstellt, die mittels einer VR-Brille rezipierbar sein sollen.
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