25. August 2022
Verbundarbeit, Wissenstransfer

Modular nachhaltig: Mit AR unterwegs in E.T.A. Hoffmanns Frankfurt

Digitale Vermittlung nachhaltig gestalten: Die neuen Kollegen aus Frankfurt über die Möglichkeit, literarische Szenen im Stadtraum sichtbar zu machen

Projektvorstellung auf der museum4punkt0-Werkschau am 24. Juni 2022 im Haus Bastian
Projektvorstellung auf der museum4punkt0-Werkschau am 24. Juni 2022 im Haus Bastian, Foto: Freies Deutsches Hochstift, CC0

Seit Frühjahr 2022 arbeiten neun neue Teams im Verbund museum4punkt0 für die digitale Vermittlung. Wir haben sie zu ihren Projekten befragt, die innerhalb einer kurzen Laufzeit Prototypen entwickeln und dabei gezielt auf eine nachhaltige Nutzbarkeit angelegt sind. Batuhan Ergün und Joshua Enslin vom Freien Deutschen Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum berichten von ihrer Arbeit.

In aller Kürze: Was ist Ziel eures Teilprojekts?

Unser Ziel ist die Entwicklung einer Augmented-Reality-App zur ausstellungsbegleitenden Anzeige von Illustrationen und Zitaten aus E.T.A. Hoffmanns „Meister Floh“ im Frankfurter Stadtraum. Dabei legen wir einen besonderen Fokus auf einen modularen Aufbau der Anwendung, sodass sie später möglichst breit nachgenutzt werden kann.

Die Projektlaufzeit ist kurz für die Entwicklung eines digitalen Vermittlungsangebots. Was hilft euch bei der Konzeption? Wovon habt ihr profitiert?

Wir können vor allem von unserem Team profitieren, das in seiner Zusammensetzung die nötigen Fähigkeiten verbindet, um einen großen Teil der Arbeiten selbst zu erledigen. So hatten wir zum Beispiel bei der Suche nach Agenturen eine relativ tiefgehend beschriebene Struktur des zu entwickelnden Codes und gute Beispiele für die entsprechenden Inhalte.

Die Fähigkeiten und Erfahrungen der Agentur „MESO“, die die Anwendung dann tatsächlich entwickeln wird, sind ebenfalls eine große Bereicherung. So konnten einige Denkfehler in unseren angestrebten Konzepten behoben und viele Detailverbesserungen schon in der Planungsphase gemacht werden.

Wie begegnet ihr dem dynamischen Wandel von technischen Neuerungen und Nutzungsinteressen?

Das hängt von den verschiedenen Anwendungszwecken und Abteilungen im Haus ab. Generell lässt sich aber sagen, dass wir uns einer öffentlichen Nachnutzbarkeit unserer Sammlung öffnen. So haben wir im letzten Jahr einen für das ganze Haus geltenden Beschluss zur Open-Access-Stellung unserer Bestände im Netz (soweit rechtlich möglich) gefasst. Durch die Öffnung der Bestände für eine kreative Nachnutzung hoffen wir auf die Chance, sie in sinnvollen neuen Kontexten und Ansichtsweisen sehen zu können, die heute noch nicht absehbar sind.
Damit das funktionieren kann, ist nicht nur die rein rechtliche Ermöglichung einer Nachnutzung notwendig. Auch die kontinuierliche Weiterentwicklung der zur Veröffentlichung genutzten Plattformen und die Bereitstellung in aktuellen Datenformaten und über leicht zugängliche APIs muss mitgedacht werden.

Im Ausstellungsbetrieb vor Ort ist die Frage schwerer zu beantworten. Das Freie Deutsche Hochstift konnte im September 2021 das lang geplante Deutsche Romantik-Museum eröffnen. Gerade in unserer Dauerausstellung gibt es viele digitale Elemente (wie etwa eine Musikstation, oder eine interaktive Landkarte, die die Exponate für die Museumsbesucher*innen greifbarer machen und / oder eine Option bieten, tiefer in das gegebene Themenfeld einzusteigen. Bisher werden die digitalen Anteile des neuen Museums sehr positiv angenommen.

Inwiefern ist euer Digitalprojekt nachhaltig? Inwiefern berücksichtigt ihr die langfristige Bereitstellung und Nachnutzung im Haus? Was können andere Häuser nachnutzen?

Grundlegend wichtig für eine Nachnutzung ist – wie auch sonst im Verbund vorgesehen – die Veröffentlichung der Anwendung unter einer Open-Source-Lizenz und Komponenten in der Entwicklung der Anwendung.

Konkret nachnutzbar soll die Anwendung auf beiden Ebenen sein: Einerseits sollen Museen (oder z.B. auch kleinere Gemeinden) die Anwendung möglichst einfach selbst installieren und konfigurieren können – wie etwa der Installationspfad von WordPress, wo man nur ein ZIP auf dem Server ablegen muss. In Abwandlung wäre die Anwendung zum Beispiel gut für die Beschreibung der Ortsgeschichte in Dörfern nutzbar. Andererseits hoffen wir durch die modulare Entwicklung der Anwendung spätere Erweiterungen zu vereinfachen. So wäre das Auslösen der Anzeige eines gegebenen Inhaltes statt auf Basis von GPS oder QR-Codes genauso gut mit Bluetooth Beacons denkbar. Konkrete Pläne für die Implementation davon gibt es bisher nicht. Sie wäre jedoch recht einfach nachzureichen, wenn beim initialen Erstellen des Projektes eine klar dokumentierte sowie einfach nutzbare Schnittstelle zwischen dem auslösenden Modul und der Anzeige definiert wird. Wir befinden uns als Haus in der glücklichen Situation, die personellen Ressourcen für ein langfristiges Hosting im Team zu haben und, falls irgendwann nötig, auch einfachere Korrekturen am Code selbst erledigen zu können, wenn beispielsweise eine verwendete Browserschnittstelle nicht mehr unterstützt wird. Sollte eine rein im Browser arbeitende Anwendung ein erreichbares Ziel sein, wäre eine langfristige Bereitstellung der Anwendung also definitiv kein Problem. Aber auch wenn es serverseitige Komponenten gibt, die im Produktivbetrieb notwendig sind, soll diese langfristig nutzbar sein.

Wie teilt ihr euer Wissen? Wie können andere Kulturinstitutionen von euren Kompetenzen profitieren?

Während der Projektarbeiten achten wir sehr darauf, unsere Arbeitsschritte und Beschlüsse gut zu dokumentieren. Gegen Ende der Projektlaufzeit planen wir außerdem einen Workshop mit interessierten Kulturinstitutionen, um im direkten Gespräch eine Nachnutzung der erstellten Anwendung anzuregen.

Und natürlich gibt es den museum4punkt0-Verbund, über dessen Plattform viel Wissen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. So haben einige der anderen neuen Teilprojekte im museum4punkt0-Verbund eindeutige Überschneidungen in der nötigen Entwicklung (z.B. die direkte, durch verschiedene, alternative Parameter ausgelöste Anzeige von Inhalten über einem Videostream), da tauschen wir uns intensiv aus, um die Ressourcen aller zu sparen.

Habt ihr zum Schluss einen Tipp? Wie plane ich ein nachhaltiges Digitalprojekt?

Kommunikation!!! Von Beginn bis zur Ende des Projekts immer alle Meilensteine offen darlegen und gut dokumentieren.

Fragen von Dr. Maite Kallweit, Antworten von Batuhan Ergün und Joshua Enslin

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