„Deine Flaschenpost“ – Nachnutzungsbeispiel einer Open-Source-basierten Web-App

„Deine Flaschenpost“-Web-App, Foto: Anke Neumeister, CC BY-SA 4.0

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Rubrik
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Technologie
Entwicklungsstand
Nachnutzung

„Deine Flaschenpost“ ist ein Beispiel für die museale Nachnutzung frei verfügbarer Software. Das Deutsche Meeresmuseum adaptierte im Rahmen des museum4punkt0-Teilprojekts „(Digital) MEER erleben“ die Web-App „Dein Geschenk“ des Badischen Landesmuseums. Die App schafft für Gäste die Möglichkeit, ihren Museumsbesuch mit einem digitalen Gruß zu verbinden, indem sie Exponate und Lieblingstiere aus dem Rundgang auswählen, fotografieren und Sprachnachrichten aufnehmen. Bilder und Botschaften dieser Auswahl werden zu einer „Flaschenpost“ zusammengefasst, die an die Familie, Freund*innen, Verwandte und Bekannte verschickt werden kann. Zusätzlich bietet die App für Museumsmitarbeiter*innen einen zusätzlichen Kommunikationskanal, um persönliche Lieblingsobjekte vorzustellen.

Bibliographische Angaben

Institution
Stiftung Deutsches Meeresmuseum
Teilprojekt
(Digital) MEER erleben
Autor*innen
Anke Neumeister
Veröffentlicht
13.06.2023
Lizenz der Publikation
CC BY 4.0
Kontakt
Anke Neumeister
Deutsches Meeresmuseum
online@meeresmuseum.de

Von „Dein Geschenk“ zu „Deine Flaschenpost“ – Idee und Hintergründe der Nachnutzung

Zu den Aufgaben im Projekt „(Digital) MEER erleben“ gehörte u. a. die Verbesserung der Navigations- und Informationsmöglichkeiten am Deutschen Meeresmuseum. Unser Koordinationsteam erprobte im Projektzeitraum verschiedene Möglichkeiten, die über die reine Orientierungsfunktion hinaus stets auch Vermittlungsaspekte und die Stärkung des Austauschs mit Besucher*innen in den Blick nahmen.

Die am Badischen Landesmuseum bereits unter dem Namen „Dein Geschenk“ erprobte Web-App war für uns hier ein spannendes bestehendes digitales Vermittlungstool, das wir übernehmen und an den eigenen Bedarf anpassen wollten.

Bereits das Badische Landesmuseum hatte die App nicht selbst entwickelt, sondern „The Gift“, eine in einem EU-Förderprojekt in England entstandene Anwendung, für den eigenen Bedarf angepasst.

Rationale Erwägungen zu Anwendungsmöglichkeiten sind im Rahmen eines Nachnutzungsvorhabens stets von großer Bedeutung. Manchmal ist es jedoch eine gute Geschichte, die zur finalen Entscheidung führt. Hier überzeugte uns, dass die Kolleg*innen des Badischen Landesmuseums von der außermusealen Verwendung der App für Hochzeitseinladungen berichteten.

Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie mit beschränkten Zutritten zu Museen, bot sich mit diesem Web-App-Format für uns die Chance, unseren Gästen etwas anzubieten, mit dem sie ihre Lieblingsmenschen kreativ an ihrem persönlichen Museumserlebnis teilhaben lassen können.

Inhaltliches

Die Open-Source-basierte App ermöglicht es, Nutzer*innen eigene Botschaften in Gestalt einer digitalen Flaschenpost zu (Museums-)Objekten zu verfassen und zu versenden. Was hat auf dem Weg durch die Ausstellungen und Aquarien besonders beeindruckt, vielleicht auch verwundert oder zum Lachen gebracht? Für Museumsmitarbeiter*innen bietet die App einen zusätzlichen Kommunikationskanal, um persönliche Lieblingsobjekte vorzustellen.

User Journey

Eine Audio-Erzählerin – in unserem Fall ist der fiktive Charakter die Flasche, die befüllt werden soll – führt den User durch die Anwendung und hilft bei der Auswahl von bis zu drei Objekten. Von jedem Objekt wird ein Foto gemacht, eine Audiobotschaft dazu aufgenommen und optional ein schriftlicher Hinweis gegeben, der erklärt, wie man das Objekt (im Museum) finden kann.

Aus „Dein Geschenk“ wird die Web App „Deine Flaschenpost“. Bilder und Botschaften der Nutzer*innen werden als „Flaschenpost“ versendet, Screenshots: Deutsches Meeresmuseum, CC BY-SA 4.0

Außerdem kann eine digitale Botschaft des Museums abgerufen werden: Die User werden von der Leiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing begrüßt und erhalten von ihr einen spannenden und sehr persönlichen Museumseinblick. Mit ihr können sie sich am Standort OZEANEUM des Deutschen Meeresmuseums auf die Suche nach einem Tiefseeangler-Weibchen begeben und Wissenswertes über das besondere Originalpräparat in Erfahrung bringen.

Technisches

Zur Anpassung an den eigenen Bedarf mussten Modifikationen des ursprünglichen Quellcodes durch einen beauftragten Entwickler vorgenommen werden. Die Web-App wurde auf einer anderen Programmierschnittstelle/Webframework und einem nicht hausinternen Server aufgesetzt.

„Deine Flaschenpost“ ist so konzipiert, dass sie auf den meisten modernen Smartphones und Tablets im Webbrowser läuft. Die Web-App kann aber auch auf einem Laptop oder Desktop-Computer geöffnet werden. Zur Nutzung wird außerdem eine Internetverbindung, entweder WLAN oder mobile Daten, auf dem Gerät benötigt.

Für die Botschaften in Gestalt von elektronisch verpackten Kombinationen aus Bild- und Audiodateien wird kurzzeitiger Zugriff auf Kamera und Mikrofon des Smartphones benötigt.

In der Benutzeroberfläche werden Fotos verwendet, um die Objekte in einer Flaschenpost zu identifizieren. Diese werden neben Texthinweisen angezeigt, um das Auffinden der Objekte zu erleichtern. Es wird Nutzer*innen mit Sehbeeinträchtigung empfohlen, eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter zu fragen, wenn sie ein Objekt aus „Deine Flaschenpost“ nicht finden können. Transkriptionen der Audionachrichten der Erzählerin werden durchgehend zur Verfügung gestellt.

Die digitale Flaschenpost des Museums enthält eine persönliche Audio-Botschaft und ein Foto von einem Tiefseeangler-Weibchen, Screenshots: Deutsches Meeresmuseum, CC BY-SA 4.0

Die erstellte „Flaschenpost“ kann wahlweise über SMS, E-Mail, WhatsApp oder Messenger versendet werden, holt die Museumsbesucher*innen also bei ihren alltäglichen Gewohnheiten ab. Eine Flaschenpost ist in der Regel weniger als 10 MB groß.

„Deine Flaschenpost“ ist für die Person gedacht, deren Namen man eingibt. Man kann die „Flaschenpost“ aber auch an mehrere Personen versenden, indem der Link aus der Nachricht einfach weitergeleitet und wiederverwendet wird.

Learnings und Tipps

Aufwand

Die Erfahrungen mit der Nachnutzung der Anwendung aus dem Badischen Landesmuseum zeigen, dass die Anpassung von Software, Design und Inhalten auch bei guter Quellcode-Dokumentation einen relevanten Aufwand mit sich bringt und somit die zeitlichen Ressourcen nicht zu unterschätzen sind.

Mit der Adaption wurde ein Entwickler beauftragt, der bereits für das Badische Landesmuseum am Code gearbeitet hatte. Dennoch waren bei einer Anwendung von vergleichsweise geringer Komplexität durch das Aufsetzen auf einer anderen Programmierschnittstelle/Webframework (Strapi) und einem nicht hausinternen Server immer wieder Fehler zu korrigieren, die teilweise erhebliche Funktionseinschränkungen mit sich brachten.

Schulung durch Programmierer*innen

Eine Schulung der Mitarbeiter*innen, die zukünftig nach Fertigstellung der digitalen Anwendung dafür verantwortlich sind, ist dringend zu empfehlen und bei Angebotsaufforderung mitzudenken. Ziel der Schulung ist es, Museumsmitarbeiter*innen ohne Programmierkenntnisse die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten für kleinere Anpassungen der App, etwa durch den Austausch von Bildern und Texten oder Codebausteinen, zu vermitteln.

Datenschutz

Wie bei allen digitalen Formaten, muss vor Veröffentlichung mit der entsprechenden für den Datenschutz verantwortlichen Person geklärt werden, ob und wenn ja welche personenbezogenen Daten durch das Museum zum Zweck der Bereitstellung des Angebots verarbeitet werden und wie Nutzer*innen ihre Rechte nach den Bestimmungen der EU-Datenschutzgrundverordnung wahrnehmen können. Im Falle der Web-App „Deine Flaschenpost“ werden bei Nutzung keine personenbezogenen Daten erhoben und/oder gespeichert. Für den Versand der „Flaschenpost“ gelten die Nutzungsbedingungen des jeweils für die Übermittlung ausgewählten Anbieters.

Analysefunktion

„Deine Flaschenpost“ steht am bisherigen Ende einer musealen Nachnutzungskette. Wir wünschen uns sehr, dass diese länger wird. Bei einer weiteren Adaption wäre es ratsam, eine bisher nicht vorhandene Analysefunktion zu integrieren um datenbasierte Entscheidungen zum Einsatz der App zu ermöglichen. Die Bedeutung dieser Funktion wurde bei uns, auch bedingt durch den zum Projektende hin notwendigen Personalabbau, spät erkannt und konnte infolge mangelnder Kapazitäten des beauftragten Entwicklers nicht mehr umgesetzt werden.

Nachnutzung und Weiterentwicklung

Die Quelldateien stehen der Öffentlichkeit zum Download und zur individuellen Anpassung auf GitHub im Gemeinschaftskonto von museum4punkt0 zur Verfügung. In weiteren Ausbaustufen ist es denkbar, personalisierte Touren anzulegen. Die Entwicklung einer aktiven Community könnte die optimale Erschließung weiterer Einsatzfelder der Anwendung bei gleichzeitiger Kostenreduzierung für die beteiligten Kulturinstitutionen ermöglichen.

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