Online-Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin

250.000 (digitale) Objekte ziehen um!
250.000 (digitale) Objekte ziehen um!, Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Timo Schuhmacher, CC BY 4.0

Überblick

Die Online-Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin stellen etwa 250.000 Objekte aus unterschiedlichen Epochen und Regionen der Welt bereit. Ausgehend von verschiedenen Nutzungsszenarien wurde SMB-digital grundlegend umgestaltet.

Bibliographische Angaben

Institution
Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Teilprojekt
(De-)Coding Culture. Kulturelle Kompetenz im Digitalen Raum
Autor*innen
Timo Schuhmacher
Veröffentlicht
23.07.2020
Lizenz der Publikation
CC BY 4.0
Kontakt
Timo Schuhmacher
Staatliche Museen zu Berlin
m4p0.m1@smb.spk-berlin.de

Entwicklung

Ziel war es, die Online-Sammlungen als Recherche-Tool für Forscher*innen zu optimieren und darüber hinaus ein Schaufenster in die Dauerausstellungen anzubieten, Depots virtuell zu öffnen und die Auseinandersetzung mit Objekten im digitalen Raum zu ermöglichen.

Die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin stellen über smb-digital circa 250.000 Objekte aus den unterschiedlichen Epochen und Regionen der Welt im digitalen Raum bereit. Ziel der Neugestaltung der Online-Sammlungen ist es, die Fülle an Informationen für Besucher*innen zugänglich und nutzbar zu machen, um ein breites und diverses Publikum anzusprechen.

Dafür haben wir auf die umfassende Besucherforschung aus dem Jahr 2018  zurückgegriffen, die im Rahmen des Teilprojektes „Visitor Journeys neu gedacht“ bereits durchgeführt wurde. Auf dieser Grundlage haben wir ausgewertet, welche Erwartungen und Bedürfnisse der Besucher*innen auf die Online-Sammlungen übertragbar sind.

Um diesen gerecht zu werden, entwickeln wir unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten und Themenformate für die Online-Sammlungen. So schaffen wir intuitive und bedarfsgerechte Wege zu den Objekten der Staatlichen Museen zu Berlin und damit auch zu den zugehörigen Informationen und Kontexten im digitalen Raum.

Das Konzept der Online-Sammlungen wurde gemäß den grundlegenden Anforderungen an ein zeitgemäßes wissenschaftliches Arbeitsinstrument entwickelt. Zusätzlich wurde es um einen bedarfsorientierten Zugang zu den Objekten für weitere Gruppen von Nutzer*innen erweitert. Im ersten Schritt wurden daher Nutzungsszenarien für verschiedene Besucher*innen und ihre Motivation, die Online Sammlungen aufzusuchen, entwickelt.

Es standen folgende Fragen im Raum: Wer sind mögliche Besucher*innen der Online-Sammlungen? Wie können die digitalisierten Sammlungsobjekte für die Besucher*innen mit ihren individuellen Bedürfnissen nutzbar gemacht werden?

Folgende Nutzungsszenarien wurden für die unterschiedlichen Besucher*innen modelliert:

  • Professionals sind wissenschaftlich motiviert und rechercheorientiert. Sie suchen nach Objektinformationen, Vergleichsobjekten, zitierfähigen und weiterführenden Referenzen oder nach Ansprechpartner*innen.
  • Besucher*innen, die sich vor Ort befinden, nutzen die Online-Sammlungen, um ihren Besuch zu planen. Sie sind daran interessiert, was sie im Museum sehen können, ob und wo bestimmte Objekte ausgestellt sind und wie viel Zeit sie einplanen müssen.
  • Digitale Besucher*innen sind regelmäßige Museumsbesucher*innen, die aktuell keine Möglichkeit haben, im Museum zu sein. Sie sitzen gerade im Zug oder Zuhause; ihre Motivationen entsprechen denen der verschiedenen Motivationstypen nach John H. Falk ein Museum zu besuchen.
  • Browser*innen sind Internet-Nutzer*innen, die über Suchmaschinenanfragen Informationen über Objekte der Online-Sammlungen erhalten. Mit Suchmaschinenoptimierung und intelligenten zielgerichteten Verknüpfungen der vorhandenen Daten geht es in diesem Fall vor allem darum, die Sichtbarkeit und die Präsenz der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im digitalen Raum zu erhöhen.

Um die verschiedenen Nutzergruppen gleichberechtig anzusprechen, ist es sinnvoll, die individuellen Bedürfnisse mit verschiedenen Formaten und Funktionen zu adressieren:

  • RECHERCHE ist das neue zeitgemäße wissenschaftliche Arbeitsinstrument zu den Objekten in den Sammlungen Staatlichen Museen zu Berlin. Es umfasst eine neue Suche mit detaillierten Filtermöglichkeiten und ermöglichen durch Objektverknüpfungen eine tiefgehende Recherche in den Sammlungen.
  • TOUREN umfasst relevante und aktuelle Informationen für den Museumsbesuch vor Ort, wie beispielsweise das Konzipieren eigener Rundgänge, themenbezogene Vorschläge und Verweise auf Objekte, die den Interessen den Besucher*innen entsprechen.
  • THEMEN umfasst thematische Inhalte zu den verschiedenen Objekten, die einladen, sich online zu Hause oder mobil mit den Sammlungen auseinanderzusetzen. Schwerpunkte und Themen aus den Sammlungen werden in einem nutzerorientierten Format präsentiert und wecken durch ihren unterhaltsamen Mehrwert das Interesse der Besucher*innen.

Die Gliederung der Online-Sammlungen in unterschiedene Formate wird dadurch möglich, dass wir die Vorzüge digitaler Objekte – also der Daten und Mediendaten – aufgreifen. Indem die Daten der digital erschlossenen Objekte verfügbar gemacht werden, können sie mithilfe einer Programmierschnittstelle in unterschiedlichen Webseiten und -formaten eingebunden und synchronisiert werden. Die Online-Sammlungen vervielfältigen sich dabei nur scheinbar: die Quelle des Datenstroms – das Museumsdokumentationssystem – bleibt dieselbe.

Mit dem Start der konkreten Umsetzung kamen unterschiedliche Methoden des Human-Centered-Designs zum Einsatz. In Workshops, Design Sprints und Interviews wurden spezifische Anforderungen in Form von User Stories entwickelt. Der Fokus lag hierbei auf lösungsorientierten, offenen Fragestellungen in Form von „Wie könnten wir … ?“-Fragen.

  • Wie könnten wir Wissenschaftler*innen dabei helfen, effizient die Inhalte in den Sammlungen zu finden, nach denen sie suchen?
  • Wie könnten wir mit den Informationen zu Objekten und Sammlungen Besucher*innen zu einem (ent-)spannenden Besuch der Häuser und Sammlungen inspirieren?
  • Wie könnten wir Besucher*innen Elemente des Museumserlebnisses auch im digitalen Raum anbieten?

User Stories bilden Anforderungen aus Sicht der Nutzer*innen ab. Sie gehen darauf ein, wer eine bestimmte Funktion, aus welchem spezifischen Bedürfnis heraus benötigt. Im agilen Entwicklungsprozess werden die User Stories in konzeptionellen Verfeinerungen, Design (in den Bereichen UX- und Visual Design) und schließlich technischer Entwicklung umgesetzt.

Online-Sammlungen sind in der Regel auf ein forschendes Publikum ausgerichtet und dienen als Plattform für professionelle Recherchen. Gleichzeitig können sie ein Schaufenster in die Dauerausstellungen der Museen sein, sie können Depots für Besucher*innen virtuell öffnen und begehbar machen oder Ausgangspunkt für den nächsten Museumsbesuch sein. Um diese Potenziale zu nutzen, müssen spezifische und typgerechte Zugänge geschaffen werden, die es Besucher*innen ermöglichen, sich mit den Museumsobjekten im digitalen Raum beschäftigen zu können.

Vermittlungsziel

Die Einbindung der digitalen Sammlungen in den Museumsbesuch ist eines der Ziele der Neukonzeption, ebenso die Erhöhung der Bedeutsamkeit und die Sichtbarkeit der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im digitalen Raum. Dabei steht im Vordergrund, ein möglichst breites und diverses Publikum zu erreichen und die Zahl der digitalen Besucher*innen zu erhöhen. Das digitale Erleben der Sammlungen und ihrer Objekte ersetzt dabei nicht den Besuch vor Ort. Ganz im Gegenteil: Durch die digitale Verfügbarkeit und einen vereinfachten Zugang wird die Motivation zum Besuch vor Ort geweckt.

Konzept

Das Konzept bestehend aus den drei Modulen Recherche, Themen und Touren wurde in einer Beta-Version veröffentlicht. Innerhalb von internen Feedbackrunden, Besucher*innen-Testings und einer Überprüfung von Inklusions-Expert*innen wurden Potentiale zur Weiterentwicklung der Formate identifiziert und in der zweiten Phase des Projekts umgesetzt. Ab sofort stehen auf sammlung.smb.museum mehr als 270.000 Objekte der Online-Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin zur Verfügung. Als neues digitales Schaufenster in die Ausstellungen und Depots der 19 Sammlungen und Institute löst die Website die seit 2012 aktive Datenbank „SMB-digital“ ab und richtet sich somit künftig neben dem wissenschaftlichen Fachpublikum explizit an Besucher*innen.

Weitere Ergebnisse im Teilprojekt

Bild zum Ergebnis: (De-)Coding Culture. Wie Besucher*innen mit KI Museen neu erleben
Beforschung

(De-)Coding Culture. Wie Besucher*innen mit KI Museen neu erleben

Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Mit (De-)Coding Culture rücken wir sie in den Mittelpunkt. Für die Erweiterung der Sammlungen Online bei den Staatlichen Museen zu Berlin durch Technologien der Künstlichen Intelligenz haben wir deswegen die Besucher*innen selbst zu Wort kommen lassen. In drei Workshops sind wir mit einer Fokusgruppe in den Austausch getreten, haben Fragen gestellt und gemeinsam alle Aspekte rund um den Museumsbesuch diskutiert. Aus den Erkenntnissen haben wir einen Visions-Prototyp für eine KI-basierte Museums-App entwickelt.
Bild zum Ergebnis: Mit der Zielgruppe testen! Wie Kinder im Museum mitgestalten
Beforschung

Mit der Zielgruppe testen! Wie Kinder im Museum mitgestalten

Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Als Grundlage zur Entwicklung und Erprobung digitaler Vermittlungsformate führten wir zu Beginn des Teilprojekts „Visitor Journeys neu gedacht“ in den Staatlichen Museen zu Berlin eine umfassende Besucher*innen-Forschung durch.
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